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Fallout-Mastermind enthüllt: der niemals durchgedrückte, 6-monatige „Todesmarsch“ – die Zerstörung des echten Fallout 3

Nicht nur die vielen Iterationen von Duke Nukem Forever haben Legendenstatus – auch die Fallout-Serie hat ihre Opfer.

Das Ödland von Fallout 3 ist ein unwirtlicher Ort - und hätte fast ganz anders ausgesehen.
© Bethesda, Adobe Stock / mhatzapa (Montage)

Einsteiger-Guide

Im Einsteiger-Guide zu Fallout 76 geben wir hilfreiche Tipps und Tricks, wie man sich am besten in den ersten Stunden im Ödland schlägt.

Fallout-Fans und Gaming-Historiker*innen wissen: Jahre, bevor Bethesda das Zepter in die Hand genommen hat, war ein Fallout 3 bei Black Isle Studios in der Mache – dem Developer hinter Fallout 2. Im Portfolio von Black Isle Studios finden sich auch Rollenspiel-Klassiker wie Planetscape: Torment oder Icewind Dale. Als die Tochtergesellschaft von Interplay immer mehr in finanzielle Kalamitäten geriet, wurde das Studio geschlossen und Fallout 3 eingestampft.

Bis heute ist dieses originale Fallout 3 unter dem Codename Van Buren bekannt. Jetzt meldet sich Tim Cain zu Wort, einer der kreativen Hauptverantwortlichen hinter dem ersten Fallout von 1997 – und gewährt frische Einblicke darin, was hinter den Kulissen zum abgebrochen Fallout 3 geführt hat.

Was erfahren wir Neues zum ersten Fallout 3?

Am 20. Juni hat Cain ein fast 15-minütiges Video hochgeladen, in dem er erklärt, wieso er womöglich das Ende von Fallout 3 mitzuverantworten hat. In den ersten paar Minuten sagt er einleitend: „[…] Van Buren sollte Fallout 3 werden, das erste Fallout mit einer 3D-Engine“. Zum Zeitpunkt, als sich das Projekt in Entwicklung befand, war Cain schon länger kein Mitglied von Interplay Entertainment mehr – sondern hatte mit anderen, wichtigen Fallout-Entwicklern Troika Games (Arcanum, Vampire: The Masquerade – Bloodlines) gegründet.

Wie Cain jetzt in seinem Video berichtet, wurde er dessen ungeachtet von einem anonym bleibendem Vizepräsidenten von Interplay darum gebeten, sich einen Prototyp von Van Buren anzuschauen. Wir schreiben das Jahr 2003 und zum Zeitpunkt als Cain damals das spielte, was hätte ein drittes Fallout werden sollen, stand das Projekt schon auf Messers Schneide. Interplay hatte finanzielle Schwierigkeiten, und Cains professionelle Einschätzung sollte eine Prognose dazu liefern, wie lange die Fertigstellung von Van Buren in Anspruch nehmen würde.

Tim Cain zum Ende von Fallout 3:

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Cain spielte dann nicht nur den Prototypen, sondern unterhielt sich auch mit den dazugehörigen Entwickler*innen, um einen noch besseren Eindruck vom Projekt zu gewinnen. Letztlich sagte Cain zum Vizepräsidenten: „Ich bin überzeugt, dass Sie [Team von Black Isle Studios] in 18 Monaten ein wirklich gutes Spiel auf den Markt bringen können“. In gewisser Weise war das die falsche Antwort.

Wie hat der legendäre Entwickler Fallout 3 beeinflusst?

Daraufhin erkundigte sich der von Cain anonymisierte Vizepräsident, ob man die Entwicklung schneller erledigen könne. Cain verneinte, und sagte, selbst mit einem „Todesmarsch“ (im Original: „Death March Crunch“) sei das Projekt nicht in unter einem Jahr fertigzustellen. Danach legte der Vizepräsident offen: Jede Prognose von mehr als sechs Monaten würde dazu führen, dass Van Buren (aka Fallout 3) gestrichen wird.

Augenzwinkernd merkt Cain an, seine professionelle Einschätzung habe zum Ende dieses originalen Fallout 3 geführt. Er fügt jedoch an, dass es in der Geschichte seiner Meinung nach keinen „Bösewicht“ gebe – weder ihn noch den Vizepräsidenten. Schließlich stand Interplay vor finanziellen Schwierigkeiten.

Laut Cain wird unterdessen auch die Meinung vertreten, ein Fallout 3 von Black Isle Studios hätte seinerzeit gerettet werden können – etwa, indem die Entwickler*innen die originaler Engine verwendet hätten. Ob das Projekt Van Buren gerettet hätte, bleibt natürlich Spekulation.

Abseits der faszinierenden Einblicke, die Cain liefert, ist es eine Freude, dem charismatischen Mann zu lauschen, wie er über ein Stück Videospielgeschichte und die Menschen dahinter plaudert.

Stein des Anstoßes für Cain, sein Statement in Videoform abzugeben, war übrigens eine empfehlenswerte, halbstündige Dokumentation, die sich dem Fall Van Buren mit viel Fan-Liebe annimmt. Für Fallout-Liebhaber*innen, die bisher im Dunklen waren zum originalen Fallout 3 von Black Isle Studios, kann das Video nur lohnen.

Dokumentation zu Van Buren:

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Soweit zur heutigen Geschichtsstunde, die hoffentlich unterhaltsamer war, als damals als Pennäler*in beim Drücken der Schulbank. Wer wissen möchte, wie es dieser Tage mit einem Fallout 5 unter Bethesda weitergehen könnte, kann es Todd Howard von den Lippen ablesen.

Quellen: YouTube / Timothy Cain, Luck Stat

Kommentare

2 Kommentare

  1. Brotherhood of Steel habe ich hier noch liegen. Damals fand ich es nicht so schlecht. Würde jetzt wohl anders aussehen nachdem ich die meisten anderen kenne.

  2. Interplay hatte sich damals aber auch gnadenlos verkalkuliert als sie ins Konsolengeschäft wollten und dann so Dinger wie Fallout:Brotherhood of Steel gerissen und den Konsolenmarkt komplett verhauen, wo sie ehh schon finanziell angeschlagen waren.
    In gewisser weise bin ich dankbar dafür das sie Black Isle geschlossen haben, weil das Feargus Urquhart ermöglicht hat InXile zu gründen und sich rechtzeitig von sinkenden Schiff zu entfernen.

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