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Filmkritik zu Spy x Family CODE: White – Spritziger Spionage-Spaß auf der Kinoleinwand

Filmkritik: Spritziger Spionage-Spaß auf der Kinoleinwand

© WIT Studio / CloverWorks / Crunchyroll / Sony

Es ist das Schicksal einer jeden erfolgreichen Manga-Reihe: Sie sprengt die Grenzen des Mediums und schlägt ihre Wurzeln auch in anderen Bereichen. Spy x Family, die charmante Mischung aus Slapstick-Comedy und Spionage-Action, flackert seit April 2022 auch als Anime über die Bildschirme und nun geht es Ende Juni mit Spy x Anya: Operation Memories nicht nur in die Welt der Videospiele, sondern mit Spy x Family CODE: White am 23. April auch auf die Leinwand eures lokalen Lichtspielhauses.

 

Wir haben mit der Hilfe von Crunchyroll und Sony bereits vorab ein Kino infiltriert, um die Geheimakte in der japanischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln zu schauen und verraten, ob Tatsuya Endos komödiantischer Knaller auch in Spielfilmlänge begeistern kann.

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Spy x Family CODE: White – Keine Ahnung? Keine Panik!

Wie eigentlich jeder Anime-Film, der zu einer etablierten Serie gehört, gibt sich auch Spy x Family CODE: White zu Beginn alle Mühe, mit der Prämisse nicht vertraute Zuschauer abzuholen: Loid Forger, eigentlich nur bekannt unter dem Decknamen Twilight, muss als Spion für die gefährliche Mission Operation Strix kurzerhand eine Familie gründen.

Die Familie Forger bekommt zu Beginn des Films eine kleine Einführung, damit ihr den Film auch genießen könnt, wenn ihr die Serie nicht gesehen habt.

Das kommt Yor Briar sehr entgegen: Als alleinstehende Frau und Auftragskillerin muss sie dringend unter die Haube, um nicht von der Regierung und ihrer Umgebung irgendwelcher Verbrechen bezichtigt zu werden. Auch Adoptivtochter Anya profitiert von der Scheinehe: Nachdem sie durch dubiose Experimente die Kraft erlangt hat, Gedanken zu lesen, wurde sie von einem Waisenhaus zum nächsten durchgereicht.

Als die drei dann noch den schneeweißen Hund Bond aufnehmen, der dazu fähig ist, in die Zukunft zu sehen, ist die Familie komplett – und das Chaos gleich mit, denn außer Anya weiß niemand von den wahren Identitäten der anderen, und das sollte am besten auch so bleiben, um den Frieden zu gewährleisten.

Habt ihr bisher noch keine Berührung mit dem Spy x Family-Franchise gehabt, aber nach dem Trailer Lust auf den Film bekommen oder werdet von Freunden mit ins Kino gezerrt: Keine Sorge. Auch ohne Vorwissen könnt ihr mit dem Film eine Menge Spaß haben. Die Einführung ist für Fans natürlich unnötig, aber gleichzeitig so schnell vorbei, dass der anfängliche Schwall an Exposition leicht zu verzeihen ist. Also widmen wir uns lieber der wahren Mission des Films.

Familienausflug nach Frigis

Ausgangslage von Spy x Family CODE: White ist nämlich, dass Operation Strix auf der Kippe steht: Loid soll vom Auftrag abgezogen und durch einen unzureichenden, aber einflussreichen anderen Agenten ersetzt werden. Als Anya an ihrer Schule für einen Kochwettbewerb ein Dessert zubereiten soll und damit die Chance auf eine besondere Auszeichnung namens Stella erhält, der sie und damit auch Loid einem Treffen mit dem Operationsziel Damian Desmond entscheidend näherbringen könnte, wittert der Spion und Adoptivpapa die ersehnte Rettung.

Diese beiden zwielichtigen Gestalten wollen Anya an den Kragen, nachdem die versehentlich eine wertvolle Praline verschluckt hat.

Doch um mit Anyas wenig beeindruckenden Kochkünsten punkten zu können, muss schon der Lieblingsnachtisch des Schuldirektors her. Weil der hoch oben im nordischen Frigis als lokale Spezialität gilt, packt Loid kurzerhand die Koffer und seine Familie für einen Wochenendtrip ein: Wer etwas Leckeres auf den Tisch zaubern will, der muss es natürlich vorher aus erster Hand probiert haben. 

Aber es wäre nicht Spy x Family, wenn dabei nicht alles Mögliche schief gehen würde: Anya isst eine Praline, die sie lieber in Ruhe hätte lassen sollen und gerät damit ins Visier der Militärpolizei; das letzte Exemplar des Desserts wird ihnen von einem barschen Oberst weggeschnappt; und die letzte Zutat für einen Ersatz entpuppt sich als Nadel im Heuhaufen. Die ersten 30 von insgesamt 110 Minuten schwanken zwischen ruhig und chaotisch und rollen den Teppich für spätere Ereignisse aus.

Ruhepol statt Interpol

Bevor es zum actiongeladenen Finale kommt, nimmt sich Spy x Family CODE: White aber erstmal Zeit für die entspannteren Seiten des Familienausflugs. Da wäre die Zugfahrt zum Zielort, auf der Anya sich mit ihren Hausaufgaben quält; ein Restaurantbesuch, bei dem die drei zunächst einige kulinarische Köstlichkeiten genießen können; sowie der gemeinsame Besuch eines Jahrmarkts, bei dem Loid einen unfair spielenden Schießbudenbesitzer entlarvt und Anya den Spaß ihres Lebens auf einer im Kreis fahrenden Kindereisenbahn hat. Die Familienzeit sorgt für angenehm ruhige Momente zwischen dem Fokus auf Humor und Action, nimmt aber auch etwas viel Raum ein.

Die Zeit, die Familie Forger in Frigis verbringt, plätschert beizeiten eher vor sich hin, zaubert aber immerhin das ein oder andere Lächeln ins Gesicht.

Dadurch zieht sich der Film in der Mitte etwas und man merkt ihm die fast zweistündige Laufzeit an einigen Stellen an, bevor er wieder an Fahrt aufnimmt und die Geschichte von trauter Dreisamkeit und lustiger Zutatensuche in einen Action-Thriller eskalieren lässt. Auch die Nebengeschichte rund um Yors Verdächtigungen, Loid würde sie mit einer anderen Frau betrügen, sorgt eher für Längen und löst sich dann mitten im Film mehr oder minder in Luft auf. Hier hätte man Spy x Family CODE: White noch etwas straffen können, um ein noch dichteres Erlebnis zu bieten.

Die Stärken der Serie auf der großen Leinwand

Genau wie die gleichnamige Serie brilliert auch der Kinofilm mit einer ordentlichen Portion Action und Humor: Loid liefert sich spannende Schießereien, Yor lässt die Fäuste fliegen und Anya – nun, die zieht einen Haufen wunderbar komischer Grimassen, die mit großen Augen, weit aufgerissenem Mund oder schelmischen Grinsen erfolgreich die Lachmuskeln attackieren. Die telepathische Tochter ist definitiv der Star des Films und wenn am Ende der Weltfrieden von ihrem Stuhlgang beziehungsweise des Haltens desselbigen abhängt, dann dürften sich auch die Zuschauer den Bauch halten – hoffentlich vor Lachen natürlich!

Am Ende wird Loids ganzes Können als Spion nötig, um die drohende Katastrophe abzuwenden. Gut, dass seine Frau Yor nichts davon mitbekommt.

Die Action-Sequenzen können sich ebenfalls sehen lassen und spielen auf dem Niveau der Serie: Kein Wunder, schließlich stammt der Film erneut vom Animationsstudio CloverWorks, das bereits den Anime bereits produziert, dieses Mal aber Hilfe von WIT STUDIO (Attack on Titan, Vinland Saga) bekommen hat. Entsprechend nutzt Spy x Family CODE: White den gleichen konventionellen Stil der Serie, wartet aber auch mit zwei wirklich gelungenen Animationsüberraschungen auf, zu denen wir an dieser Stelle keine Details verraten wollen, außer, dass sie erneut respektiv von den Stärken Action und Humor Gebrauch machen.

Unterhaltsame Umsetzung

Mit Spy x Family CODE: White und einer Originalgeschichte im Gepäck verschlägt es Loid, Yor und Anya auf die große Kinoleinwand, wo das ungleiche Trio eine fast genauso gute Figur macht wie in der Serie. Die Action-Sequenzen fesseln in den Sessel und der Slapstick-Humor mit Anyas ausdrucksstarker Mimik sorgt für regelmäßige Lacher, sodass die ruhige und zu langgezogene Mitte des Films nicht nachhaltig stört. Optisch bekommen Fans dabei genau das geliefert, was sie schon aus dem Anime kennen: Ein klarer, wenn auch konventioneller Stil mit schicken Animationen und zwei kunstvollen Überraschungen.

Eindeutig das Highlight des Films: Anyas zahlreiche Grimassen, die Fans bereits aus dem Anime und Manga kennen und lieben.

Vorwissen wird derweil keines benötigt: Zu Beginn des Films werden alle Zuschauer mit einer kleinen Einführung zu den Gegebenheiten und Charakteren abgeholt, der Rest von Spy x Family CODE: White findet losgelöst von den Ereignissen des Anime statt. Ein unterhaltsamer Sprung vom kleinen auf den großen Bildschirm, für Fans und alle, die es werden wollen.

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