Veröffentlicht inTests

Project CARS 2(Rennspiel) – Die volle Motorsport-Dröhnung

Bereits mit Project Cars setzten die Slightly Mad Studios ein Ausrufezeichen und gleichzeitig die Platzhirschen von Gran Turismo über Assetto Corsa bis Forza Motorsport gewaltig unter Druck. Für den Nachfolger haben die Briten in Zusammenarbeit mit echten Rennfahrern die Physik verfeinert und erlauben mit zahlreichen Anpassungen wieder ein Racing-Erlebnis nach Maß. Fährt Project Cars 2 der Konkurrenz auf und davon?

© Slightly Mad Studios / Bandai Namco Entertainment

Gewaltige Vielfalt an Optionen

Zumindest in einem Bereich dürfte der Sieg nicht zu nehmen sein: Es gibt keine andere Rennsimulation, die dermaßen viele Einstellungsmöglichkeiten bietet, um die Veranstaltungen, Streckenbedigungen und das Fahrgefühl hinter dem Steuer den eigenen Wünschen anzupassen. Tatsächlich wird man regelrecht erschlagen von der gewaltigen Vielfalt an Optionen. Das geht schon bei der Gestaltung des Rennwochenendes los: Dort lassen sich nicht nur die Zeiten für Training, Qualifikation und Rennen, sondern auch Faktoren wie Tageszeit und Witterungsbedingungen separat anpassen. Dabei hat man die Wahl zwischen sage und schreibe 17 Wettertypen, von denen man bis zu vier für eine Veranstaltung festlegen darf. Diese erstrecken sich von Sonnenschein über diverse Abstufungen bei Bewölkung und Regen bis hin zu Gewitter, Schneestürmen

Ob Nacht oder Tag, Regen oder Sonnenschein: Man darf so ziemlich alles anpassen, was man will.

und unterschiedlich stark ausgeprägtem Nebel, den man sogar noch mit Niederschlag kombinieren darf. Auf Wunsch darf man den Übergang beim Wetterwechsel sogar künstlich mit einem bis zu 60-fachen Zeitraffer beschleunigen oder die Dynamik komplett dem Zufall überlassen.

Bei den Tageszeiten hat man ebenfalls freie hat und darf neben dem Datum auch die Uhrzeit und Dauer für jede Session bestimmen. Dabei genießt man die absolute Freiheit: Eine Qualifikation oder gar ein Rennstart um Mitternacht? Hier ist alles möglich! Genau wie beim Wetter besteht auch hier die Option, den Zeitverlauf auf ein bis zu 60-faches Tempo zu beschleunigen. Um das nochmal zu betonen: Witterung und Tageszeit lassen sich jeweils separat für Training, Quali und Rennen einstellen! Mittlerweile darf man sich sogar in allen vier Jahreszeiten auf die lizenzierten Strecken begeben und wird dabei vor allem mit Blick auf die Vegetation deutliche Unterschiede zwischen Frühling, Sommer, Herbst und Winter bemerken. Auf ausgewählten Pisten steht mit „Schnee“ sogar eine weitere Variante zur Auswahl – allerdings nur dort, wo es auch sinnvoll erscheint. An warmen Orten wie Kalifornien (Laguna Seca, California Highway) oder Dubai darf man keine geschlossene Schneedecke erwarten, auch wenn selbst dort auf Wunsch oder per Zufall die Flöckchen aus dem bedeckten Himmel rieseln – ein surrealer Moment, vor allem im Sommer. Begibt man sich dagegen z.B. in die Eifel, darf man die legendäre Nordschleife auch in einem weißen Wintertraum erleben.     

Echte 24-Stunden-Rennen

Ein 24-Stunden-Rennen in Karts? Hier ist alles möglich!

Fans von Ausdauer-Veranstaltungen wird es zudem freuen, dass man nicht nur bis zu 999 Runden für jedes beliebige Rennen ansetzen kann. Alternativ legt man ein Zeitlimit als Rahmen fest, das von fünf Minuten bis zu 24 Stunden reicht. Wer also schon immer mal mit dem wahnwitzigen Gedanken gespielt hat, die ruhmreichen Veranstaltungen am Ring oder in Le Mans selbst virtuell hinter dem Steuer zu erleben, bekommt hier die Möglichkeit dazu. Und nicht nur dort: Im Prinzip kann man auf jedem Rundkurs innerhalb der gelungenen Streckenauswahl mit ihren abwechslungsreichen Schauplätzen und verschiedenen Layouts einen solchen Marathon absolvieren. Nur bei Streckenführungen von A nach B wie dem California Highway oder den einzel wählbaren Abschnitten der Nordschleife fällt die Option selbstverständlich flach. Zwar kann man auch hier bis zu 24 Stunden ansetzen, doch ist das Rennen bei der Ankunft im Ziel freilich sofort vorbei. Von dieser logischen Ausnahme abgesehen gibt es aber auf Wunsch die volle Endurance-Dröhnung. Schade nur, dass man als i-Tüpfelchen nicht noch einen Zeitplan für mögliche Fahrerwechsel festlegen darf. Gerade im Zusammenhang mit Langstrecken-Rennen vermisst man außerdem die Erlaubnis zum Zwischenspeichern, wie sie etwa F1 2017 anbietet. Ja, das mag nicht realistisch sein, wäre spätestens beim 24-Stunden-Rennen aber trotzdem eine willkommene und optionale Komfort-Funktion.

Vorsicht: Aquaplaning! Dank der Live-Track-Technologie bilden sich bei Niederschlag zunehmend Pfützen auf der Strecke.

Zu den weiteren Renneinstellungen gehört die Wahl zwischen einem stehenden oder fliegenden Start. Zudem darf man optional auch eine Einführungsrunde absolvieren, in der man sich beim Aufwärmen der Reifen an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten muss. Kurios dagegen, dass man Boxenstopps nur dann verpflichten kann, wenn man sich auf Runden statt Zeit als Dauertyp festlegt. Eine Entscheidung, die beim Blick auf reale Rennserien wie die DTM etwas merkwürdig erscheint. Oder anders gesagt: Warum darf ich hier bei einem Rennen, das auf eine Stunde oder eine andere Zeit angesetzt ist, keinen verpflichtenden Boxenstopp vorschreiben? Trotzdem ist Project Cars 2 hinsichtlich der zahlreichen individuellen Anpassungen sowie möglicher Kombinationen vorbildlich und einzigartig. Damit man vor jedem Rennen nicht jedes Mal wieder durch alle Optionen kämpfen muss, werden neun Motorsport-Voreinstellungen geboten, mit denen man auf einen Knopfdruck die geeigneten Rahmenbedingungen für Serien wie Indycar, GT, Open-Wheel oder Endurance schafft. Alternativ darf man bis zu vier eigene Voreinstellungen unter seinen Favoriten abspeichern – ein schöner Service, mit dem man viel Zeit sparen kann!  

Hinterlassen Sie bitte einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert