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Sea of Solitude (Adventure) – Modernes Märchen

Bisher gab es drei über EA Originals veröffentlichte Independent-Spiele: Fe, A Way Out und Unravel. Jetzt ist mit Sea of Solitude das vierte und erste Spiel eines deutschen Studios für knapp 20 Euro erschienen. Cornelia Geppert und Jo-Mei aus Berlin inszenieren auf PC, PS4 und Xbox One ein stimmungsvolles Abenteuer, in dem sich ein Mädchen seinen Ängsten stellt.

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Von der Idylle zum Alptraum

Gerade schipperte das Mädchen noch entspannt durch eine pastellfarbene Stadt, während der Himmel strahlte und die Sonne lachte. Aber plötzlich wechselt das Wetter, das Wasser steigt, der Wind tost und aus dem freundlichen Licht wird bedrückende Dunkelheit. Hände greifen nach ihr und Monster lauern in der Tiefe. Wo soll sie hin? Sie kann eine Leuchtrakete abschießen, um den Weg zu finden.

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Was idyllisch aussieht… © 4P/Screenshot

Diese Stimmungswechsel von der Idylle zum Alptraum gehören zu den großen Stärken dieses Abenteuers. Manchmal teilt sich das Wasser auf beeindruckende Art, manchmal versinkt die Welt in Finsternis. Und so wird auf visueller Ebene genau das inszeniert, was auf psychologischer Ebene im Kopf des Mädchens vorgeht: Sie ist einsam, hat Angst, ist emotional zerrissen, sucht nach Antworten und sich selbst.

Das einsame Monster

Man beginnt das Spiel ohne erkennbares Gesicht als schwarze Kreatur mit rot leuchtenden Augen, in einem Boot kauernd. Wie kann man sich wieder in einen Menschen verwandeln? Als Fremde erkundet man eine zunächst unbekannte Welt, zu Fuß oder über das Wasser schippernd in Schulterperspektive.

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…kann sich schnell in eine Finsternis verwandeln. © 4P/Screenshot

Allerdings ist die Freiheit auf kleinere Areale begrenzt, denn es geht meist linear vorwärts.

Nach der Begegnung mit einem strahlenden Mädchen, das wie ein hoffnungsvoller Wegweiser agiert, setzt langsam die Erinnerung ein, wirken die Stadt und manche Figuren seltsam vertraut. Aber selbst wenn man weiß, dass man Kay heißt und in einem surrealen Berlin seiner eigenen Vergangenheit unterwegs ist, bleibt vieles angenehm rätselhaft und symbolisch.

Auch wenn die über die Unity-Engine inszenierte Kulisse auf einen Zeichentrick-Stil ohne fotorealistische Details setzt, entstehen eindrucksvolle Momente. Man fühlt sich fast an Ghibli-Filme erinnert, wenn riesige Monster auftauchen, die mal ihren Hass unverholen hinaus brüllen oder verräterisch aus der Distanz flüstern, dass man doch näher kommen soll. Manche wirken auf den ersten Blick so majestätisch und friedlich, dass Kay sich an sie schmiegt, lassen aber dann ihre Maske fallen und zischen ihre Wut hinaus.

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Manchmal wird Kay auch von kleineren Monstern verfolgt. © 4P/Screenshot

Apropos: Es gibt lediglich englische Sprachausgabe und deutsche Untertitel, was angesichts der Berliner Bezüge sehr schade ist. Manche Texte sind widersprüchlich ins Deutsche übersetzt worden: Aus „I want to change it, change me.“ wird z.B. „Das muss sich ändern. Verändere mich!“, so dass man das Gefühl haben könnte, dass die Heldin jemanden um Hilfe bittet. Zumal die Sprecher ja hörbar ein Englisch mit deutschem Akzent sprechen – auch wenn das vielleicht ein kleines Zugeständnis sein soll, wirkt das letztlich doppelt inkonsequent. Natürlich ist meist der finanzielle Aufwand zusammen mit dem Ausblick auf internationale Käufer ein Grund dafür, dass man sich das Deutsche spart. Aber hätte ein französisches Studio mit Schauplatz Paris auch auf seine Muttersprache verzichtet?

Kommentare

43 Kommentare

  1. Ist ja neben A Plague Tale gerade im EA Premiere Abo.
    Finde es ein sehr stimmungsvolles und schönes Game. Steuerung geht auch am PC.
    Erinnert mit teilweise an Rime nur ohne die Rätsel.

  2. Grimwood hat geschrieben: 28.07.2019 09:48Aber eine 80% für ein faktisch schlechtes Spiel. Einfach nur lächerlich. Aber gut, egal. Bewertungen sind mir eh schnuppe
    Sie sind dir schnuppe, aber dennoch findest du 80% lächerlich. Klingt das nicht etwas widersprüchlich?
    Das fängt beim ultraschlechten Menü an (Klar, 99% des Durchschnittsmenschen geben auf Details eh nichts)
    Ja, und 15677777% der Menschen übertreiben maßlos.
    Nicht auch nur einmal ansatzeweise irgendein Gefühl empfunden, obwohl ich selbst introviertiert, depressiv bin, geschiedene Eltern habe, in der Schule gemobbt wurde, etc.
    Ich glaube, eine Autobiographie ist nicht wirklich nötig, aber gerade Depression zeichnet sich doch nicht selten durch Schwierigkeiten bei der Emotionsempfindung aus.

  3. Holy fuck, es ist ja allgemein bekannt, dass 4Players absichtlich kontrovers bewertet, aber hatte damit nie was zu tun, und war meist auf "deren" Seite, wenn irgendein gehyptes Spiel hier weniger bekam. Aber nun ist es leider mal andersrum.
    What the literal fuck.
    Ja, ich hab auf das Spiel Jahre gewaret (War in meinen Top 5 Most Wanted für mehrere Jahre) und ein neues Journey o.ä. erhofft. Aber eine 80% für ein faktisch schlechtes Spiel. Einfach nur lächerlich. Aber gut, egal. Bewertungen sind mir eh schnuppe (und haben keinerlei Aussage oder Bedeutung - was mich aufregt, sind nicht unbedingt die sogenannten "Kritiker", sondern die Menschen, die sowas hinterherlaufen und darauf irgendwas geben, aber ich schweife ab).
    Für mich persönlich auf jeden Fall die größte Enttäuschung seit langem.
    Vor allem, weil es qualitativ einfach so unglaublich schlecht ist.
    Das fängt beim ultraschlechten Menü an (Klar, 99% des Durchschnittsmenschen geben auf Details eh nichts) und hört bei den schlechten Credits (Standbild!) auf. Was hätte man allein da schon machen können.
    Und für was ist da so ein langer Abspann? Teams von 1 oder 2 Personen schaffen da mehr.
    Dialoge sind manchmal zu laut, manchmal zu leise gemischt. Musik hakt plötzlich ab. Das Acting ist grottenschlecht (nicht der Akzent, sondern, wie es gesprochen/delivered wird). Die Dialoge scheinen wie von einem 5 Jährigen geschrieben.
    Nicht auch nur ein Hauch von Subtilität. Nichts zum interpretieren, was sonst großartige Kunst ausmacht (Journey, Kentucky Route Zero, Team Ico Spiele etc), alles für den Dümmsten ausgesprochen.
    Nicht auch nur einmal ansatzeweise irgendein Gefühl empfunden, obwohl ich selbst introviertiert, depressiv bin, geschiedene Eltern habe, in der Schule gemobbt wurde, etc.
    Die einzelnen Teile sind toll - Artdesign grandios (Das man sowas aus Deutschland sieht!), toller Score, wichtiger Inhalt. Aber nichts davon kommt "zusammen zu einem großen Ganzen / Kunstwerk", da einfach jeder Polish fehlt (Es fühlt sich wie ein...

  4. Balla-Balla hat geschrieben: 07.07.2019 11:37
    Ryan2k6 hat geschrieben: 06.07.2019 19:59
    Freya Nakamichi-47 hat geschrieben: 06.07.2019 19:31 Wie erkennt man Deutsche im Ausland? Sie sagen am Tresen "Two beer, please!" ;)
    Ach, was sagen nicht deutsche denn so stattdessen? Immer schön solche Klischees mal zu erfahren.
    Jesses, Witze bedienen nun mal Klischees und um diese geht´s hier ja auch irgendwie.
    Übrigens bedienst du mit dem post auch eines: nämlich das des humorbefreiten Deutschen.
    Wie viele Deutsche braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?
    ?
    Show
    Einen. Wir sind effizient und haben keinen Humor!

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