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Tavern Master (Taktik & Strategie) – Auf ein Bier… oder zwei… oder drei…

Wer hat nicht schon immer mal davon geträumt, in einem idyllischen Fantasy-Reich eine verträumte kleine Taverne zu eröffnen? Sich aus den ganzen Kämpfen, Dungeon-Touren und Drachenjagden heraushalten und stattdessen hinter einer sicheren Theke stehen, um den durstigen Abenteurern ein kühles Bier zu servieren? Genau dies ist der Inhalt von Tavern Master.

© Untitled Studio /

Beachtliche One-Man-Show

Habt ihr euch auch schon immer gefragt, was die Helden eines Rollenspiels eigentlich machen, wenn sie von einem Abenteuer zurückkehren und ihren Durst oder Hunger stillen wollen? Die gehen doch bestimmt in die nächste Taverne und lassen sich das eine oder andere Bier schmecken. Dabei prahlen sie natürlich mit ihren jüngsten Taten – auch, um die anwesenden Damen zu beeindrucken. Okay, ob es sich tatsächlich in dieser Form abspielt, wissen wir nicht. Doch so ähnlich könnte es durchaus sein. Und genau eine solche Taverne könnt ihr ab sofort selbst führen. Bevor wir auf die weiteren Details von Tavern Master eingehen, müssen wir uns zunächst einem anderen Punkt zuwenden – den Entwicklern, genauer: dem Entwickler. Denn hinter dem beschaulichen Aufbauspiel verbirgt sich nicht etwa ein mehrköpfiges Team, sondern eine einzelne Person, die es sich vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, im Alleingang eine Art Tavernensimulation auf die Beine zu stellen. Dass nur eine Person an Tavern Master arbeitet, ist an vielen Stellen deutlich zu erkennen: Es fehlt immer wieder an Feinschliff, insbesondere bei der Kulisse. Dennoch ist ein mehr als passables Spiel herausgekommen.

Wie bereits mehrfach erwähnt, dreht sich alles um den Auf- und Ausbau einer hoffentlich florierenden Taverne. Ihr fangt mit einem relativ kleinen Gebäude an, in dem gerade mal ein paar wenige Holztische und Bänke zu finden sind, außerdem eine kleine Bar mit einem Wasserfass. Das alleine reicht logischerweise nicht aus, um massig Kunden anzulocken. In einem kurzen Tutorial lernt ihr daher nicht nur die grundlegende Steuerung kennen, sondern legt auch das Fundament für das weitere Tavernen-Business. Ihr zieht neue Wände ein, kauft

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Das Leben als Tavernenbesitzer ist beschaulich und erfrischend unaufregend. © 4P/Screenshot

euch ein Fass mit köstlichem Bier und stellt vor allem Personal ein. Denn ohne Barkeeper und Kellner läuft nicht viel – immerhin steht keiner der Gäste auf Selbstbedienung. Ist das alles geregelt, verlasst ihr den Pausemodus und die ersten Kunden (von Elfen über Henker bis hin zu Adelsleuten) marschieren über die Türschwelle.

Nicht jeder Anfang ist schwer

Diese ersten Schritte gehen recht leicht von der Hand, wobei auch der weitere Verlauf von Tavern Master nicht sonderlich komplex ist. Mit den ersten verdienten Goldmünzen könnt ihr umgehend die ersten Investitionen tätigen: Ihr zieht einen Anbau samt Küche hoch, erweitert den Gastraum mit weiteren Sitzgelegenheiten und erweitert euer Sortiment an Getränken und Speisen. Das Personal arbeitet glücklicherweise automatisch, darum müsst ihr euch demnach nicht kümmern. Die Erweiterungen könnt ihr jedoch nicht immer nur mit Gold kaufen, sondern müsst ihr mit der Forschung freischalten. Um diese Projekte abzuschließen, müsst ihr eine bestimmte Anzahl von Gästen bedienen, von denen es verschiedene Kategorien (einfach bis königlich) gibt. Außerdem gibt es an jedem Tavernentag vier Aufgaben, die ihr abschließen und auf diese Weise zusätzliches Gold sowie weitere Belohnungen verdienen könnt.

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Die Kulisse fällt eher zurückhaltend aus. © 4P/Screenshot

Im späteren Spielverlauf stehen euch immer mehr Möglichkeiten zur Verfügung, eure Taverne ansprechender zu gestalten. Das geschieht nicht nur durch hübsche Dekorationen oder das Anheuern einer Band, sondern auch durch besondere Veranstaltungen, die ihr über einen Kalender planen könnt. Diese Events reichen von Stammtischen bis hin zu großen Feiern. Hierfür benötigt ihr stets eine bestimmte Menge an Ansehen (gesteigert durch den Ausbau eurer Taverne) und spezieller Speisen. Diese Events wiederum locken besondere Gäste an und so weiter und so fort. Ihr merkt sicherlich schon anhand dieser wenigen Beispiele, dass es in Tavern Master eigentlich immer etwas zu tun gibt. Was sich jedoch beinahe wie Dauerstress anhört, entpuppt sich in der Praxis als eher ruhiges, ja fast schon meditatives Spielgeschehen. Denn trotz der vielen Möglichkeiten bleibt Tavern Master in den meisten Punkten oberflächlich.

Was nicht ist, kann noch werden  

Das ist auch gleichzeitig der größte Kritikpunkt an dem Spiel: Obwohl es vor allem zu Beginn sehr viel Spaß macht, seine anfängliche Spelunke zu einer riesigen Taverne mit mehreren Stockwerken auszubauen, fehlt es auf Dauer etwas an Substanz. Es gibt keinen Story-Modus, keine Missionen oder speziellen Ziele. Auch Szenarien, bei denen ihr vor bestimmte Herausforderungen (eine runterwirtschaftete Taverne wieder aufpäppeln o.ä.) gestellt werdet, sucht man vergeblich. Das alles würde dem Spiel nicht nur mehr Tiefgang verleihen, sondern

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In den nächsten Monaten sollen zahlreiche Verbesserungen integriert werden. © 4P/Screenshot

auch die Motivation gehörig nach oben treiben. Dass die Grafik etwas angestaubt wirkt, ist angesichts dieser Mankos zweitranging. Schade ist allerdings dass die Menüführung ebenfalls mitunter suboptimal ist und so manche Komfortfunktion fehlt.

Trotz dieser Mankos spürt man, dass viel Potenzial vorhanden ist. Immerhin hat der Entwickler bereits einige Neuerungen für die nächsten Monate angekündigt. Unter anderem soll es Katastrophen, Achievements und neue Interaktionsmöglichkeiten für die Gäste geben. Auch ein Wettersystem und komplexere Gameplay-Systeme sind fest eingeplant.

Kommentare

5 Kommentare

  1. Sevulon hat geschrieben: 02.01.2022 23:24 Ist das jetzt besser oder schlechter als "Travellers Rest"? Klingt ja im Grunde nach dem gleichen Spiel, nur das TR ein bisschen Umfangreicher erscheint (mit Beziehungen und eigenem Anbau/Crafting ähnlich wie in Stardew Valley, aber das ist laut Roadmap wohl auch für TM geplant, wenn ich das richtig sehe (March Update))
    Traveler's Rest denn gutes 2D > schlechtes 3D.

  2. Ist das jetzt besser oder schlechter als "Travellers Rest"? Klingt ja im Grunde nach dem gleichen Spiel, nur das TR ein bisschen Umfangreicher erscheint (mit Beziehungen und eigenem Anbau/Crafting ähnlich wie in Stardew Valley, aber das ist laut Roadmap wohl auch für TM geplant, wenn ich das richtig sehe (March Update))

  3. Hatte ich bis zum letzten Sale auch etwas länger auf der Wunschliste, dann direkt gekauft und es hat sich gelohnt.
    Natürlich ist es teilweise noch (sehr) ungeschliffen, aber es macht einfach Laune und motiviert immer wieder zum weitermachen.

  4. Danke für den Test. Das Spiel hab ich neulich (auch) eher zufällig auf Steam gefunden und gleich auf die Wunschliste gesetzt. Eigentlich gestaltet sich diese "Einfachheit" sogar als Vorteil, denn wenn man sowieso nicht viel Zeit hat, ist so ein relativ entspanntes Gameplay eine feine Sache!
    Gerne mehr solcher Nischen-Tests!

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