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The Division(Shooter) – Kämpfen, quatschen, kooperieren

The Division kommt genau im richtigen Moment! Zu einer Zeit, in der Destiny seine Spieler nicht mehr so fesseln kann wie mit der Veröffentlichung seiner großen Erweiterung, saugt der ähnlich konzipierte Online-Shooter in einem apokalyptischen New York die Deserteure geradezu auf. Dabei ist Action nicht die Stärke von The Division. Seine Vorzüge zieht das Spiel vielmehr dorther, wo man sie vielleicht nicht vermutet hätte. Was wir erlebt haben, fassen wir im Test zusammen.

© Massive Entertainment / Ubisoft

Endlich: Ein Virus ohne Zombies

Ich hatte nicht mit einer fesselnden Erzählung gerechnet: Nachdem ich das Spiel im Vorfeld schon einige Stunden lang gespielt hatte, war mir klar, dass die Geschichte hauptsächlich als Wegweiser dienen würde, um Einzelgänger und Gruppen von bis zu vier Spielern durch ein Manhattan zu führen, das von der Außenwelt abgeriegelt wurde. Nachdem ein Pockenvirus einen Großteil seiner Bevölkerung hingerafft hat, leben dort nur noch wenige Menschen. Banden haben die Macht an sich gerissen.

Der Schauplatz ist ein begehbares Terrarium, in dem man wenigen, immer gleichen Figuren dabei zusieht, wie sie Tote plündern oder sich einfach nur streiten. Interagieren kann man nur, indem man Kimme und Korn auf Zivilisten richtet – dann laufen sie davon. Gangster eröffnen natürlich das Feuer. In dieser Kulisse ist man unterwegs zum nächsten Auftrag; die meisten beginnen beim Betreten des Madison Square Gardens, eines Kaufhauses, von U-Bahn-Schächten oder Baustellen. Auf dem Weg dorthin befreit man Zivilisten aus der Gewalt von Gangstern, überfällt deren

Willkommen in New York – und einem von Chaos überrannten Manhattan!

Lager oder verhindert Waffenlieferungen.

Das große Ziel ist das Herstellen eines Antivirus‘. Der Weg dorthin besteht aus dem Lernen neuer Fähigkeiten, dem Zusammenstellen besserer Ausrüstung und vor allen Dingen aus der Freude am gemeinschaftlichen Kämpfen, Quatschen, Kooperieren.

Der Eine oder einer von vielen?

Wie gesagt hatte ich keine ausnehmend gute Erzählung erwartet, zumal einem Spiel wie The Division das pragmatische Streuen leidlich interessanter Brotkrümel durchaus genügt. Aber dass gleich der Einstieg so schlecht

sein würde… Da freue ich mich auf eine Onlinewelt voller Gleichgesinnter – gemeinsam werden wir New York entdecken! –, doch was erlebe ich? Mein frisch erstelltes Alter Ego wird von Beginn an zum alleinigen Helden stilisiert. Es ist mir ein Rätsel, wozu die Autoren eine Geschichte schreiben, die mit der spielerischen Realität nicht das Geringste zu tun hat. Eine Identifikation mit meiner Agentin fällt damit flach. Ich schiebe ein hübsch

texturiertes Drahtgittermodell umher, mehr ist hier nicht drin.

Der große Shooter-Vergleich



Wie schlägt sich The Division gegen Destiny: König der Besessenen? In zwei Teilen und vierzehn Kategorien von Koop bis Langzeitmotivation stellen wir die Online-Shooter gegenüber. Mehr dazu hier!


Würde die Erzählung im Anschluss wenigstens Schwung aufnehmen… Stattdessen habe ich mehrmals die Augen verdreht, als mir eine Art Lehrerfigur weismacht, warum ihr der Kampf um New Yorks Insel so wichtig ist. Denn anstatt über Erlebtes oder durch Erzählungen indirekt zu vermitteln, warum sie mit Leib und Seele Recht und Ordnung wiederherstellen will, sagt sie sinngemäß einfach: „Ich will mit Leib und Seele Recht und Ordnung wiederherstellen.“ Das ist die billigste Art, traniges Pathos zu erzwingen! Von Emotionen kann keine Rede sein.

Nein, die Handlung steht nicht im Mittelpunkt. Enttäuscht bin ich trotzdem über die bemerkenswerte Diskrepanz zwischen dem Spiel, das Massive Entertainment aufbaut, und dem Stil, mit dem das schwedische Studio dessen Geschichte erzählt.

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