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Crusader Kings 3(Taktik & Strategie) – Game of Geduld

Ihr wollt ein König oder gar Kaiser werden? Ihr wollt Rivalen besiegen, Kriege führen, Ruhm ernten? Ihr wollt auch einen kleinen Rat wie in Game of Thrones? Dazu eine Affäre und mindestens einen Bastard? Dann empfiehlt sich ein Blick auf Crusader Kings 3. Ob der komplexe Aufbau einer Dynastie mit seinem Rollenspielflair auch Spaß macht, verrät der Test.

© Paradox Development Studio / Paradox Development Studio

„Die Geschichte liebt es bisweilen, sich auf einmal in einem Menschen zu verdichten, welchem hierauf die Welt gehorcht.“

„Das Antizipieren eines Weltplanes führt zu Irrtümern, weil es von irrigen Prämissen ausgeht.“

Selber Geschichte schreiben

Beide Zitate stammen von Carl Jakob Burckhardt (1891 – 1974), dem großen Schweizer Historiker, der damit zwei Merkmale von Crusader Kings 3 ganz gut trifft: Zum einen schlüpft man in die Rolle von Anführern mit Gestaltungsmacht. Zum anderen muss man oft zusehen, wie die Geschichte alle eitlen Pläne zermalmt. Trotzdem ist da immer diese historische Chance…

Paradox präsentiert komplett animierte Figuren.

…und alles wirkt so einladend. Schon in den Ladephasen wird man von Gemälden begrüßt, die für erhabene Stimmung sorgen. Paradox hatte ja nach Crusader Kings 2 (Wertung: 80%) acht Jahre Zeit, um sich für diese Rückkehr der mittelalterlichen „Grand Strategy“ herauszuputzen. Und die sonst eher spröden Schweden starten mit ihrer berüchtigten Clausewitz-Engine eine Charme-Offensive: Wenn sich der Vorhang in die Welt der Wikinger und Ritter öffnet, fühlt man sich tatsächlich willkommen.

Des Kaisers neue Kleider

Einsteiger und Strategen mit ästhetischen Ansprüchen schauen nicht nur auf Karten, Tabellen oder Zahlen, sondern blicken direkt in die Augen komplett animierter Fürsten. Sie taxieren einen, als wollten sie sagen: Du willst herrschen? Du willst mich spielen? Du willst das Schicksal meiner Familie leiten?  Du weißt gar nichts!

 

Die eigene Tochter braucht einen Namen, übernimmt visuelle Merkmale der Eltern und kann auch vererbte Eigenschaften erhalten.

Egal ob eigene Rolle, Freund oder Fremder: Nicht nur das Alter sowie Krankheiten sind an allen Figuren von Island bis Indien, von Klein bis Groß sichtbar, sondern auch deren Charakter sowie ihre Verfassung: Manche schauen einen arrogant, andere verängstigt, listig oder von der Pest gezeichnet an.

Zwar gibt es mal Probleme mit den Haaren oder Händen, die durch Kleidung ragen, dazu einige Klone bei Kindern. Aber die Fülle an sich verändernden Figuren und visuellen Merkmalen ist beeindruckend. Und nach einer Schlacht samt Verwundung kann auch ein zuvor tapfer strahlender König wie Rocky Balboa aussehen, der lieber nach Adrian verlangt. Mit dieser Visage muss man dann in die nächste Ratssitzung…


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