Veröffentlicht inTests

Senua’s Saga: Hellblade 2 im Test – Der immersivste Albtraum des Jahres

Auf der Xbox-Seite gibt es keine großen Meisterwerke mehr? Die Entwickler von Ninja Theory wollen mit Hellblade 2 das Gegenteil beweisen und setzen auf enorme Produktionswerte. Wir verraten im Test, ob die Rechnung aufgeht.

u00a9

Video-Test: Senua’s Saga: Hellblade 2

7 Jahre nach dem ersten Teil veröffentlicht Ninja Theory zusammen mit den Xbox Game Studios Senua’s Saga: Hellblade 2. Wir haben das Spiel auf Herz und Nieren getestet und sagen euch , was es taugt.

Das Next Gen-Erlebnis

Einen noch beachtlicheren Sprung nach vorne macht Hellblade 2 derweil in der grafischen Opulenz. Das Action-Adventure sieht schlicht und ergreifend beeindruckend aus. Wer bislang das Gefühl hatte, dass die aktuelle Konsolengeneration sich rein technisch nur bedingt von der vorherigen unterscheidet, der darf hier gerne einmal näher hinschauen. Egal ob Lichtstimmung, Texturen, Gesichtsanimationen oder Kleidung: Alles ist auf einem solch hohen Produktionsniveau, dass man sich kaum sattsehen kann.

[GUI_STATICIMAGE(setid=92870,id=92659191)]
Grafisch ein absolutes Brett: Hellblade 2 sieht visuell einfach umwerfend realistisch aus. © 4P/Screenshot

In Kämpfen kann man sogar einzelne Schnittwunden erkennen, die dem jeweiligen Feind zugefügt wurden und Senuas Kleidung wiegt sich so realistisch im Wind, wie man es zuvor selten in Videospielen gesehen hat. Nicht zu vergessen, dass dank Fotogrammetrie die isländische Umgebung manchmal so wirkt, als würde man tatsächlich durch ein Foto laufen.

Die optische Wucht verdankt Hellblade 2 der Unreal Engine 5, welche stimmungsvolle, gruselige sowie mystische Szenen auf den PC oder die Xbox Series X|S zaubert. Auf der Konsole allerdings nur mit maximal 30 Bildern pro Sekunde.

Auf Rechenknechten ist mehr möglich, die entsprechende Hardware vorausgesetzt. Wenig überraschend verlangt Hellblade 2 nach ordentlich Leistung: Auf unserem Testsystem mit einer Nvidia GeForce RTX 4080 und einem Intel Core i9-13900 hatten wir zwar bei einer Auflösung von 3440×1440 Pixeln zwar keine Probleme, stets die 60 FPS bei maximalen Einstellungen inklusive DLSS auf „Qualität“ zu halten.

Allerdings dürfte es auf Systemen mit schwächerer Hardware oder bei höheren FPS-Wertungen durchaus hier und da etwas eng werden. Auf dem Steam Deck ist ebenfalls Schluss mit lustig, hier werden selbst bei niedrigsten Einstellungen kaum spielbare Frameraten erreicht.

Nicht mehr alleine: Senua trifft in Island erstmals auf reale Verbündete. © 4P/Screenshot

Aber es ist nicht nur die optische Wucht, mit der einem Hellblade 2 erschlägt und klar unterstreicht, dass es sich hier um ein AAA-Erlebnis handelt. Es sind auch die Regie und die filmischen Ambitionen, die man in dieser Art eher von einem Studio wie Naughty Dog oder einem Hideo Kojima erwarten würde. Die Kamera bleibt dabei so gut es geht stets nah an Senua kleben, damit man als Spieler stets ihre Eindrücke erhält und ihre Stimmung jederzeit am Gesicht ablesen kann. Zuweilen erinnerte mich Hellblade 2 visuell und filmisch außerdem an Robert Eggers The Northman.

Unterstrichen werden die cineastischen Ziele von Ninja Theory dadurch, dass Hellblade 2, wie bereits beim ersten Erlebnis, komplett auf Bedienelemente verzichtet. Alle Informationen werden mithilfe der Umgebung oder durch Stimmen vermittelt, vieles fühlt sich für eingeübte Spieler auch einfach intuitiv an. Unnötige Menüs oder Einblendungen würden nur von der immersiven Spielwelt ablenken – eine gute Entscheidung. Außerdem gibt es oben und unten schwarze Balken, wenn man auf keinem Ultra-Widescreen-Monitor unterwegs ist. Es soll sich wie im Kino anfühlen.

Hilfreich ist dabei die Performance der Schauspieler, die den unterschiedlichen Charakteren sowohl Stimme als auch teilweise Körper geliehen haben. Im Vergleich zum ersten Hellblade hat Ninja Theory vor allem in Sachen Motion Capturing noch einmal aufgerüstet: Laut eigenen Angaben hat man über 70 Tage mit Aufnahmen verbracht. Ein Fakt, der sich in den kompletten acht Stunden, die es etwa dauert bis man die Credits zu Gesicht bekommt, widerspiegelt. Insbesondere bei Senua, ein weiteres Mal verkörpert und gesprochen von Melina Juergens, der Video Editorin von Ninja Theory.

Juergens verleiht Senua auch in Hellblade 2 eine unheimliche Präsenz, die man nur schwer kopieren kann. Immer wieder fährt die Kamera an ihrem Gesicht vorbei, in der jede noch so kleine Mimik dafür sorgt, dass es lebensecht wirkt. Die ausdrucksstarken Augen, die mal verloren, mal intensiv und hin und wieder voller Kampfeskraft durch den Monitor direkt auf mich blicken, sind abermals ein riesiger Pluspunkt. In extrem stressigen Situationen, in denen die Furien fast schon staccatohaft auf Senua einprasseln, sieht man die Anstrengungen im Gesicht der Kriegerin. Man realisiert ihren Kampf, den sie im Inneren mit sich führt und der sich gewiss irgendwann mit voller Wucht entladen wird.

Allerdings überzeugt nicht nur Juergens in der Hauptrolle. Ebenfalls stimmlich wie darstellerisch können auch die Nebendarsteller überzeugen, insbesondere Chris O’Reilly als Thórgestr sowie Steven Hartley, der mit seiner tiefen, fast schon bösartig-basslastigen Stimme regelmäßig dafür sorgt, dass sich die Nackenhaare aufstellen. Vermutlich profitiert Hellblade 2 auch davon, dass der Cast keineswegs überladen ist, sondern sich auf maximal eine handvolle Charaktere konzentriert.

Kommentare

34 Kommentare

  1. Bin auch durch. Was tolles „Erlebnis“. Atmosphäre teils und die visuelle Darstellung. Sag nur Höhlenabschnitt und Kampf im Dorf. Was sie mit Titanen gemacht haben.
    Game lebt sehr davon es auf einem großen Bildschirm/TV zu erleben und entweder guten Kopfhörer oder Surroundanlage. Mit TV Ton oder billigen Stöpseln im Ohr lässt Wirkung sicherlich erheblich nach.
    Wie Einige schon sagten muss man mit Senua connecten ansonsten funktioniert das ganze Prinzip nicht. Es ist eine Erfahrung von besonderen Wahrnehmung die einem nicht auf dem Silbertablet serviert wird. Muss für sich die Zeichen deuten und was solche Personen durchmachen. Spiel will nicht angenehm sein sondern etwas verdeutlichen was besonderer innerer Kampf ist und mit der kalten Außenwelt.
    Bei mir hat es wunderbar funktioniert eine kleine Gefühlsachterbahn auszulösen. Sicher kein Spiel was man jetzt mehrmals hintereinander durchzocken wird.

  2. klaro, Hellblade 2 wird (wie alles) nicht jedem gefallen und das ist mehr als nachvollziehbar in diesem Fall hier. Ich würde es auch nicht als Spiel bezeichnen, sondern als Erlebnis. Es funkt oder es funkt nicht.
    Ziel der Entwickler war es wohl dem "Spieler" das Krankheisbild der Psychose näherzubringen, offensichtlich mit den Stimmen im Kopf. Aber eben nicht nur damit. Die Behäbigkeit gehört dazu, das langsame Voranschreiten, die Störung des Antriebs, die Wahnvorstellungen, Denkstörungen (man steht wie vor einer Wand, kommt nicht weiter, ein scheinbar unlösbares Rätsel... immer und immer wieder, man verzweifelt dran), Verwirrtheit, Desorientierung, man kämpft sich durchs Leben, immer das gleiche Schema, repetitiv, der Ausstieg aus der Realität... und all das, obwohl das Leben um einen herum so wunderschön aussehen kann.
    Wenn man das Ganze aber für das Gameplay anwirft, um mit dem Gameplay Spaß zu haben, um ein Action-Adventure oder ähnliches zu spielen, dann ist eventuell unter Umständen vielleicht nicht das was die Entwickler einem vermitteln wollen. Es ist halt etwas komplett anderes, als die klassischen Videospiele. Daher finde ich es auch gut, dass es sowas gibt, das Medium Videospiel mit all seinen Interaktionsmöglichkeiten (im Verlgeich zu Büchern, Filmen und Co.) einem so etwas anbietet und ermöglicht... auch wenn es nicht jedem gefallen wird (aber das trifft - wie gesagt - auf alles zu). Dafür zündet es bei vielen anderen. Daher hoffe ich nicht - wie oben geschrieben - dass die Entwickler daraus "lernen" und aus dem besonderem Erlebnis, z.B. lediglich ein weiteres Action-Adventure machen, wovon es schon etliche gibt.
    Ich konnte mit Teil 1 übrigens auch rein gar nichts anfangen, hatte es abgebrochen. Mit Teil 2 erging es mir merkwürdigerweise anders. Ich konnte mich drauf einlassen und das Ganze aus einer anderen Perspektive sehen, nicht als Spiel, sondern als Versuch ein komplexes Krankheitsbild nahbarer, zugänglicher zu machen.

  3. Wubbeldibubbel hat geschrieben: 31.05.2024 10:00
    kueber1 hat geschrieben: 31.05.2024 09:44 also habe jetzt etwas über die Hälfte denke ich, laut Xbox App ca. 5 1/2 Stunden. Finde das Spiel eigentlich nicht gut, zumindest mir sagt es nix. Und die Stimmen die ganze Zeit finde ich eher als nervig, auch das gesamte Spiel ist mir zu behebig.
    DA Spiele ich viel lieber ein Lara Croft
    gut, wenn die Alternative ein Tomb Raider ist, dann sind die Erwartungen wohl einfach nur die falschen. ;)
    sage nur, hatte gar keine Erwartungen, habe es nur probiert, da es im Gamepass ist, auch Teil 1 war nicht meins und habe das auch gleich sein lassen.
    Teil 2 werde ich wohl beenden, aber auch nur da es nicht so lang sein soll und ich bereits einige Stunden gespielt habe. Wäre die Spielzeit um die 20 Stunden würde ich wohl nicht mehr weiter machen.

  4. kueber1 hat geschrieben: 31.05.2024 09:44 also habe jetzt etwas über die Hälfte denke ich, laut Xbox App ca. 5 1/2 Stunden. Finde das Spiel eigentlich nicht gut, zumindest mir sagt es nix. Und die Stimmen die ganze Zeit finde ich eher als nervig, auch das gesamte Spiel ist mir zu behebig.
    DA Spiele ich viel lieber ein Lara Croft
    gut, wenn die Alternative ein Tomb Raider ist, dann sind die Erwartungen wohl einfach nur die falschen. ;)

  5. Scarface12 hat geschrieben: 27.05.2024 09:09 Es ist eine große Enttäuschung. Nach dem ersten Teil habe ich mir schon etwas anderes erwartet, aber nicht einen Movie, mit ein paar Interaktionen.
    Wert gelegt wurde hier nur auf cineastische Inszenierung und nicht auf das Spiel. Die Kämpfe sind ziemlich mau, das Kampfsystem träge und alles andere als innovativ.
    Das Spiel ist und wird gleich langweilig. Für mich ist es eine verar*che und das für dieses Geld.
    Sorry, aber das Spiel wir überall gehyped, am meisten von Spielemagazinen, nicht aber von Gamern die Zocken wollen.
    Es kann jeder sehen wie er will, aber für mich ist das eine grafische Bauernfängerei ohne spielerischen Wert - eher was zu Ansehen und etwas die Figur bewegen und interagieren.
    Headline u.ä. mehrerer Spielemagazine:
    Mega-Flop trotz Hit-Wertungen? Senua's Saga: Hellblade 2 geht heftig baden, was ist da passiert?
    Kann dem nur zustimmen.
    Ich kann hier nicht von einem Game reden - grafisch Top - spielerisch Flop. Ich hoffe der Entwickler lern aus diesen Rezensionen.
    finde das ähnlich, Spiel ist langweilig. Keine Ahnung wieso das jeder so hypt

Hinterlassen Sie bitte einen Kommentar.

Seite 1