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The Whispered World (Adventure) – The Whispered World

Immer nur die Welt retten ist langweilig. Wie wär’s zur Abwechslung mit der Zerstörung derselben? Dem kleinen Clown Sadwick wird genau das in einem Alptraum prophezeit: Dass er schon bald höchstpersönlich die Apokalypse auslösen wird. Der kleine Harlekin ist zwar alles andere als eine Frohnatur, doch in der Rolle des weltzerstörenden Ovelords fühlt er sich erst recht nicht wohl. Also geht er der Sache auf den Grund und macht sich zusammen mit seinem Multifunktions-Haustier, der Raupe Spot, auf die Reise durch ein wunderhübsch gezeichnetes Fantasy-Abenteuer.

© Daedalic Entertainment / Daedalic Entertainment

Nichts für Weicheier

Zunächst streift das ungleiche Duo durch den Herbstwald, in welchem der Zirkus sein Lager aufgeschlagen hat. Ziel ihrer Suche ist das Orakel Shana, welches irgendwo in einer Waldhütte Antworten zu Sadwicks Visionen bereithalten soll. Schon in diesem ersten von vier großen Kapiteln gibt es ein paar gesalzene Kopfnüsse.

Auch beim widerspenstigen Ex-Lokführer hilft Opas omnipräsente Wunderhose weiter.

Hat man Shanas Behausung gefunden, muss man z.B. ein etwas verwirrendes Uhrenrätsel lösen. Sogar Sadwick beschwert sich im Anschluss, warum das Ganze bitteschön derart schwierig ausfallen muss. Die Designer hätten auf ihn hören sollen, denn auch in den folgenden Kapiteln stößt man auf einige recht happige Aufgaben.

In der unterirdischen Basis der Bösewichte musste ich z.B. komplexe Apparaturen aus diversen Einzelteilen bauen und es an der richtigen Stelle einsetzen. Es gibt weder eine Hilfe-Funktion noch ein Tagebuch oder andere Annehmlichkeiten – von den per Leertaste eingeblendeten Hotspots einmal abgesehen. Das muss an sich nichts Schlechtes sein, wenn wenigstens andere Figuren oder der Hauptcharakter selbst Hinweise geben würden, wenn man wichtige Gegenstände unter die Lupe nimmt. Doch genau das passiert leider zu selten. Also war ich zu oft damit beschäftigt, einfach alles mögliche und unmögliche durchzuprobieren, um schließlich doch auf die Lösung zu kommen (wer sich nichts spoilern möchte, liest im nächsten Absatz weiter). Im Bahnhäuschen musste ich sogar an einer bereits eigens reparierten und wieder funktionstüchtigen Maschine noch Teile auswechseln. Sadwick hätte mir ruhig einen Hinweis geben können, dass die als Keilriemen missbrauchte Hose noch einmal durch Spot ausgewechselt werden muss…

Mystische Klavierklänge

Glücklicherweise stieß ich zur Abwechslung auch auf sehr einfache Rätsel, bei denen ich meine rauchende Hirnzellen ein wenig entspannen durfte. Auch die atmosphärischen Klavier-, Fagott- und Querflötenstücke beruhigen ungemein – vor allem in der von Wasserfällen und unterirdischen Flussläufen umgebenen Asgil-Basis konnte ich dank der Musikuntermalung richtig in die Fantasy-Welt abtauchen.

Die mit verschwenderischen Details gespickten Kulissen scrollen in mehreren Ebenen über den Bildschirm.

Leider riss mich die überdrehte Stimme von Constantin von Westphalen aus dem Spielfluss: Seine Synchronisation des bösen Asgil-Chefs wirkt reichlich übertrieben und erinnert an Kindersendungen wie die Sesamstraße. Seinen Kollegen ist die Vertonung aber deutlich besser gelungen. Obwohl nicht all zu viele bekannte Namen in der Sprecherliste stehen, passt der Großteil der Stimmen prima zu den Figuren – vor allem in den Dialogen zwischen dem sich ständig zankenden Zirkus-Trio. Notfalls lässt sich die Vertonung übrigens jederzeit mit einem Tastendruck an- und abschalten.

Ein weiteres Manko sind die sparsamen Animationen: Bei Edna passten die rudimentären und übertriebenen Animationsphasen zum trashigen Design, doch in diesem Fall bilden die wenigen Mund- und Charakterbewegungen einen Kontrast zu den verschwenderisch gestalteten Hintergründen. Auch die kurzen Zwischensequenzen wirken zwar stimmungsvoll, können aber nicht mit der Qualität von professionellen Trickfilmen mithalten. Im Spielkarton liegt übrigens auch das kleine Brettspiel Droggel. Ein Becher und Figuren müssen selbst beschafft werden – die drei benötigten zwölfseitigen Runenwürfel liegen aber bei. Letztere werden leider auch für die Kopierschutz-Abfrage benutzt, wodurch man vor jedem Spielstart die richtigen Symbole auf den Würfeln suchen muss. Das ruft zwar nostalgische Erinnerungen an alte Lucas-Arts-Adventures wach, ist auf Dauer aber etwas mühsam.       

Kommentare

45 Kommentare

  1. Ich fand die Rätsel auch nicht zu knackig,eigentlich genau richtig, das meinte übrigens auch meine Freundin mit der ich das Spiel gespielt habe und das uns sehr gefesselt und bewegt hat! Auf Lösungen bei denen der Autor des Tests schwierigkeiten hatte, sind wir eigentlich durch simples überlegen und ohne Trial&Error gekommen, wobei man aber nicht sagen kann, dass es solche Passagen nicht auch gab, bei uns kamen sie aber nicht sehr oft vor.
    Ich habe einen kleinen Lesertest geschrieben, wenn jemand wissen will was ich von dem Adventure halte :)
    Ich persönlich finde die Wertung ungerechtfertigt, als Adventure Freund hätte ich TWW mindestens 90% gegeben.
    Btw.: In der aktuellen Verkaufsversion gibt es keine Kopierschutz abfrage mit den Würfeln mehr

  2. "Zu knackige Rätsel"? Wirklich? TWW ist doch nichts gegen Monkey Island 2 oder DotT - ich finde den Schwierigkeitsgrad gut. Teilweise hätte er sogar etwas fieser sein können. Allerdings spiele ich Adventures Abends mit meiner Freundin auf der Couch oder im Bett auf dem Notebook - und zu zweit rätselt sich's ja deutlich leichter.
    Der Stil von TWW ist überwältigend, kein anderes Adventure hat mich seit Monkey Island 3 so fasziniert. Vor allem die Grafik ist, wie sie sein soll: 2D und einfach wunderschön. Neben DA:O mein Spiel des Jahres 2009 :)

  3. Grossartiges Spiel besser als Edna bricht aus. Nur ist es mir unbegreiflich wieso Sadwick so ne Stimme spendiert bekommen hat? Soll das etwa witzig sein oder gar professionell wirken? Vor allen da der grossartige Joachim Kerzel nur die Würfel ansagen darf. Naja ganz tolles Spiel mit Sicherheit ein kleiner Meilenstein.

  4. Wo ich gerade lese "auf 16:10- Monitoren nur gestreckte oder Fenster- Darstellung" muss ich spontan erwähnen, dass mir das gestreckte Bild auf meinem 16:10-Monitor nicht gestreckt vorkommt. Hätte ich das hier nicht gelesen, wäre es mir wohl nicht aufgefallen.
    Die Würfelgeschichte ist mir lieber als irgendwelche anderen Geschichten (unsympathische Seriennummern, unhöfliche Programme etc.), die "nicht in die schön gezeichneten Welten passenden, mit nur wenigen Frames animierten Figuren" finde ich merkwürdig passend und, ja, das Spiel ist hübsch. Ich mag's. Für mich reicht's.

  5. nonano hat geschrieben:Das Spiel ist eine einzige Zumutung!
    1. Bei jeden Spielstart die nervige Würfel-Arie durchzumachen ist schlichtweg eine Unverschämtheit.
    Das ist keine Unverschämtheit, das ist oldschool! Mich hat die Erinnerung an die alten Codescheiben und ähnliches wirklich gefreut. Point & Clicks spielt man ja auch eher weniger in kurzen Sessions, so dass man die Prozedur auch nicht allzu oft durchführen muss.
    2. Ein Game zu programmieren, das mit 2D-Grafik auf einer 300€-Zotac ruckelt wie Sau (wo beispielsweise Crysis wie Butter läuft...), ist ja wohl einfach nur einen Frechheit!
    Vielleicht liegts an deinem System. Bei mir gibt es keinerlei Probleme. Ich hab nichtmal die bemängelten Ladezeiten zwischen den Bereichen. Und mein System ist alles andere als modern.
    Ich hab das Game gerade durchgespielt und hatte eine Menge Spaß. Das Ende hätte gerne eine Optionsmöglichkeit wie bei Edna beinhalten können, aber sonst gibt es wenig zu meckern. Der Vollbildbertieb mit 1280*1024 muckt auch kein bisschen. Das Bild bleibt auch scharf, bis auf die wenigen "Tricksequenzen". Dort bilden sich einige Treppchen.
    Die Rätsel sind teilweise tatsächlich richtig knackig, weil Hinweise in Dialogen fehlen, aber mit längerem Nachdenken bekommt man das letztendlich hin. Allzuviel wahlloses Kombinieren war nicht nötig und zumindest im Rückblick machte auch alles Sinn.

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