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Wasteland 2(Taktik & Strategie) – Comeback eines Rollenspielmeisters

Wasteland war 1988 ein Pionier. Es inszenierte lange vor Fallout nicht nur das erste Abenteuer in einer Endzeit. Brian Fargo und dem Team von Interplay gelang nach The Bard’s Tale ein weiterer Meilenstein innerhalb der Rollenspiele – vor allem hinsichtlich der Offenheit und der Figurenreaktionen. Mehr als zwanzig Jahre später finanzierte der Veteran den Nachfolger in Rekordzeit über Kickstarter. Was hat das von so vielen Fans herbeigesehnte Wasteland 2 zu bieten? Mehr dazu im Test.

© inXile Entertainment / inXile Entertainment / Deep Silver

Rätselhafte Gestalten

Plötzlich folgt jemand meiner Gruppe. Er heißt „Provost“, quatscht nur Latein, sieht aus wie ein Agent und zückt seine Pistole in den Gefechten, um mir zu helfen. Ich kann nicht mit ihm reden, ihm keine Befehle geben, aber er läuft mir stoisch hinterher. Irgendwann verschwindet er. Wieso, weshalb, warum? Hätte ich sein QVEM SI NON TENUIT und die anderen lateinischen Kommentare vielleicht übersetzen sollen? Hätte ich ihn über diesen und andere Hinweise als Charakter aufnehmen können? Fragen über Fragen, die mir keine Ruhe lassen.

Englisch ist die bessere Wahl: Wasteland 2 ist zwar auch mit deutschen Texten spielbar, aber die Übersetzung ist schwach.

Ich lade also den Spielstand neu. In diesem Anlauf stirbt der mysteriöse Fremde in einem Kampf. In seinem Rucksack finde ich ein Amulett: Die Eulen der Minerva – aha! Aber warum trug er das Zeichen einer römischen Göttin? Hilfe, ich bin so schlau als wie zuvor! Ist das alles nur Quatsch oder hat es eine Bedeutung? Selbst wenn Brian Fargo nur zum Spaß solche Köder ausgelegt haben sollte: Es sind diese skurrilen Situationen und rätselhaften Momente, die Wasteland 2 auszeichnen. Und davon gibt es eine Menge.

Willkommen in der irren Endzeit

Dabei sind auf den ersten Blick einfach nur alle bekloppt in diesem Amerika des Jahres 2073: Junkies, die sich Aufputschmittel aus Skorpiongift reinziehen. Entflohene Häftlinge, die sich zu Killergangs zusammenrotten. Menschenhändler, die Frauen und Männer als Sexobjekte in Käfigen halten. Eine Sekte, die einen Nuklearsprengkopf wie einen Gott anbetet und ihre Jünger als lebende Bomben verheizt. Dazu mutierte Riesenhasen, kranke Ärzte, wilde Roboter oder störrische Ziegenböcke, die einem tatsächlich eine Kopfnuss verpassen.

Man startet mit vier Helden in der Basis der gesicherten Basis der Desert Ranger. Der Schwierigkeitsgrad ist in vier Stufen jederzeit änderbar.

Zwischen all dem Brutalen und Grotesken gibt es aber immer wieder ein Augenzwinkern, immer wieder einen süffisanten Unterton oder Anspielungen. Wie kann man eine Aufgabe ablehnen, in der ein Freak alte Konsolen sammelt und man ein CD-i für ihn auftreiben soll? So entsteht ein morbider Charme in einer Welt, die seit 75 Jahren von den Folgen einer Apokalypse geprägt wird.

1998 kam es laut Drehbuch zum Atomkrieg und seitdem ist Amerika in Enklaven und zig regionale Fraktionen zersplittert. Die Reste einer Pionier-Kompanie der US-Armee bilden die „Desert Ranger“. Sie versuchen das Land wieder aufzubauen. Damit knüpft dieses Wasteland 2 direkt an die Geschehnisse des Klassikers an. Und wenn man seine Charaktere erstellt, fühlt man sich tatsächlich wie in einer Zeitmaschine, die einen in die Ära von Baldur’s Gate & Co katapultiert.

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