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Forza Motorsport 4(Rennspiel) – Forza Motorsport 4

Turn 10 lebt und liebt offensichtlich den Rausch der Geschwindigkeit, denn die Entwickler stehen nicht nur auf flotte Wagen, sondern machen auch selbst ordentlich Tempo: Gerade mal zwei Jahre nach Forza 3 rast schon der Nachfolger mit einer frischen Grafikengine, überarbeiteter Fahrphysik sowie einigen Neuerungen wie der Kinect-Unterstützung über die Ziellinie. Wird Forza 4 die neue Messlatte im virtuellen Motorsport? 

© Turn 10 / Microsoft

Tolles Fahrgefühl

Hinter dem Steuer meines getunten BMW M3 rase ich auf dem Hockenheimring meinem nächsten Sieg entgegen. Der Werbe-Slogan „Freude am Fahren“ passt wie der Fuß aufs Gaspedal: Wie schon in der Vergangenheit, ist die Fahrphysik von Forza 4 top! Gebe ich in Kurven zu viel Stoff, bricht sofort das Heck des bayerischen Biests aus, sofern ich nicht mit Fahrhilfen wie der Traktionskontrolle unterwegs bin. Wo in anderen Rennspielen der [GUI_PLAYER(ID=75817,width=400,text=Der Hockenheimring zählt zu den wenigen neuen Strecken innerhalb der Forza-Serie.,align=right)]nächste Dreher schon vorprogrammiert ist, kann ich den Wagen hier durch sanftes Gegensteuern und einen behutsamen Umgang mit Gas und Bremse noch souverän abfangen. In solchen Momenten wird klar, dass Forza 4 nicht unbedingt die ultra-realistische Hardcore-Simulation ist, wie man sie vom PC kennt. Doch auf den Konsolen findet sich derzeit kein anderes Rennspiel, das sich so authentisch und rund anfühlt – einzig Sonys Gran Turismo 5 ist dem nahezu ebenbürtig. Genau wie dort hat man jetzt auch hier die Wahl zwischen einer normalen Lenkung und einer Simulationsvariante, obwohl sich die Unterschiede in Grenzen halten: Bei der normalen Einstellung hat man weiterhin die volle Kontrolle über seinen Wagen, doch werden einige physikalische Effekte abgeschwächt und es gibt minimale, kaum spürbare Korrekturen beim Einlenken und den Pedalbewegungen, um das Auto besser auf der Straße halten zu können. Zwar kommt auch mit dem Controller oder dem neuen Motion-Pad von Microsoft Fahrfreude auf, aber ein Spiel wie Forza 4 ist vor allem für Lenkräder gemacht: Sowohl das Porsche Turbo S Wheel als auch das offizielle CSR Wheel – beide vom deutschen Spezialisten Fanatec – überzeugen durch feine und differenzierte Force Feedback-Effekte, die Vibrationen und Unebenheiten auf der Strecke wunderbar an den Fahrer weitergeben. Profis können außerdem eine H-Schaltung mit sechs Gängen und Kupplung verwenden, wobei man Letztere sogar schleifen lassen kann.

Controllerfreies Rasen

Genau in die andere Richtung schlägt das Fahren mit Kinect: Wie bei den meisten Handyspielen werden Gas und Bremse automatisch geregelt und alle Fahrhilfen sind jederzeit aktiv, so dass man sich nur noch auf die Lenkung konzentrieren muss. Die Gestensteuerung funktioniert sogar ohne große Verzögerung und damit recht präzise, doch eine ernsthafte Alternative zum Controller oder Lenkrad stellt das Kamerasystem nicht dar. Dessen war man sich auch bei Turn 10 bewusst und hat die Kinect-Fahrten nicht ohne Grund von den restlichen Spielmodi ausgelagert. Entscheidet man sich auf dem Startbildschirm für die Verwendung von Kinect, gelangt man durch ein Winken in ein separates Menü, bei dem man lediglich die Wahl zwischen Einzelrennen, Zeitfahren, Splitscreen-Duellen und dem Besuch

Das Fahrgefühl ist ausgezeichnet!

Das Fahrgefühl ist ausgezeichnet!

des Autovista-Modus hat – dazu später noch mehr. Die Einzelrennen sind dabei auf nur eine Runde beschränkt – Anpassungen sind nicht möglich. Die Entscheidung ergibt halbwegs Sinn, da bereits nach dieser kurzen Zeit die Arme langsam schwerer werden, selbst wenn man im Sitzen spielt, was ebenfalls gut funktioniert. Einzig das Navigieren durch die Menüs bei der Strecken- und Fahrzeugwahl ist etwas zu sensibel und fummelig geraten. Unterm Strich würde man die Kinect-Einbindung zum Casual-Rasen nicht vermissen, denn aktiviert man alle Fahrhilfen, sind auch die Ausflüge mit dem Controller ähnlich anspruchslos.   

Aber egal ob Controller, Lenkrad oder Kinect: Jeder der ca. 500 Boliden fährt sich anders! Der eine Flitzer neigt z.B. zum starken Untersteuern und scheint vor jeder Kurve geradeaus weiterfahren zu wollen. Ein anderer hat generell ein völlig anderes Bremsverhalten, so dass man entsprechend früher oder später auf das Pedal treten muss. Manche Fahrzeuge überzeugen durch eine geniale Balance, durch die sie sich selbst bei Renntempo  immer präzise kontrollieren lassen. Andere wiederum sind extrem nervös und lassen sich nur mit viel Arbeit am Lenkrad sowie Feingefühl auf der Straße halten. Hier entsteht ein regelrechter Kampf zwischen Mensch und Maschine. Diese Vielfalt und die Nuancen innerhalb der Fahrphysik sind grandios!  

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