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Virtua Tennis 4 (Sport) – Virtua Tennis 4

Ich liebe Arcade! Im Sport gebe ich einer Simulation aber stets den Vorzug. Bis vor drei Jahren, als „mein“ Top Spin spielerisch wankte, während mich Segas Arcade-Schmettern in packende Ballwechsel verwickelte. Wochenlang trainierte ich auf Xbox Live… doch das ist lange her. Der Schlagabtausch zwischen Sega und 2K Sports ist längst in die vierte Runde gegangen. Genauer gesagt spielte Top Spin 4 bereits vor einem Monat so vorzüglich auf, dass schon zu diesem Zeitpunkt klar war: Virtua Tennis wird es in dieser Generation verdammt schwer haben!

© Sega / Sega

Abgeschlagen

Aber dem Vergleich mit Top Spin hält Sega diesmal ohnehin nicht stand. Die dynamischen und abwechslungsreichen Ballwechsel auf dem 2K Sports-Rasen sind mit Abstand packender als das vergleichsweise banale Ping Pong bei Sega. In Top Spin zählen Timing, Technik, Ausdauer und Stellung zum Ball. In Virtua Tennis unterscheiden sich Slice und Top Spin nur wenig, unterschiedliche Schlagarten gibt es nicht und das Timing spielt ebenso wenig eine Rolle wie der nicht vorhandene Krafteinsatz.

Die Stellung zum Ball ist das einzige taktische Element – doch selbst das wirkt unausgegoren. Denn obwohl der Ball hoch und schwach vom Schläger abspringt, wenn man ihn zu früh oder zu spät annimmt: Solche ebenso unbeholfenen wie unrealistischen Returns frustrieren nur, weil man daraufhin meist chancenlos dem gegnerischen Punktgewinn nachschaut.

Hier kommen die

lizenzierten Stars…

PS3-Spieler erhalten übrigens drei Legenden mehr als 360-Besitzer: Becker, Edberg und Rafter schlagen auf Sonys Center Court auf.

Männer: Federer, Djokovic, Nadal, Murray, Roddick, Haas, Kohlschreiber, Del Potro, Monfils, Gonzales, Seppi

Frauen: Wozniacki, Ivanovic, Sharapova, Williams, Kuznetsova, Robson, Chakvetadze

Das liegt auch am übermächtigen Netzspiel: Wer im vorderen Feld halbwegs agiert, ist jedem Grundlinienspieler haushoch überlegen. Hinzu kommt das starre Positionsspiel, denn entweder erahnt man rechtzeitig die Ecke oder man verliert den Punkt. Schwache Returns oder lange Ballwechsel, in denen man das Filz mit ausgestreckten Zehen und Fingerkuppen gerade noch erreicht, bleiben Ausnahmen.

Der gute Ton

Die größte Niederlage aber ist: Selbst als packende Arcade-Punktejagd macht Top Spin 4 mehr Spaß, weil es Gelegenheitsspielern einen ähnlich komfortablen Einstieg ermöglicht und gleichzeitig mehr Tiefe bietet. Zu allem Überfluss ist Sega nicht nur spielerisch, sondern auch technisch in allen Belangen unterlegen. Es fängt bei altmodisch kantigen Tennisplätzen an, geht bei einem leblosen Publikum weiter und hört bei den steifen Bewegungen der sportlichen Akteure auf. Die Übergänge zwischen verschiedenen Bewegungen sind ausgesprochen hölzern und am immer gleichen Abwischen des Schweißes hat man sich spätestens nach drei Punkten satt gesehen. Anstrengung hat hier ohnehin nichts mit Schweißbildung tun: Irgendwann klebt das Spiel den Profis Schweißtropfen auf die Stirn, das muss reichen.

Es gibt keine Rufe aus dem Publikum, auf die die Spieler reagieren könnten. Und wo die Fans in Top Spin 4 nach gefährlichen Schüssen so hörbar mitgehen, dass der Schiedsrichter anschließend zur Ruhe mahnt, schießen hier die schrecklichen Laufgeräusche den Vogel ab:

Auch zwei Minispiele sind PS3-exklusiv: Kegeln und ein mit Move spielbares Toreschießen.

Wie in einem Uralt-Rollenspiel trippeln die Athleten über den Platz. Bei aller Liebe für die typisch japanische Machart, haben solche Fehlgriffe in einem modernen Sportspiel nichts verloren!

Ausgelatschte Laufbahn

Die Karriere leidet unter ähnlichen Symptomen: Sie ist durchaus unterhaltsam – aber wollen Tennisasse tatsächlich einer Kette von Minispielen folgen, um nur gelegentlich mal Tennis zu spielen? Hier müssen die Profis dazu bereit sein, wobei ein Match ohnehin nur zwei Spiele dauert, auf Tiebreaks verzichtet man großzügig. Immerhin entscheidet man sich für einen der 20 Spielstile, um das sportliche Alter Ego den eigenen Vorlieben anzupassen. Das ist schon deshalb wichtig, weil man den Nachwuchsstar auch ins Online-Match führen darf und die lizenzierten Asse nicht alle Typen abdecken. Echte Identifikationsfiguren erstellt man in dem unbequemen Charaktereditor allerdings nicht. Eine gelungene Idee sind Verletzungen, die während der Karriere auftreten, falls man nicht früh genug eine Trainingspause einlegt. Leider mutet es aber seltsam an, wenn der verletzte Spieler die gewohnte Laufbewegung in Zeitlupe ausführt, weil er nicht mehr schnell laufen kann.

Kommentare

36 Kommentare

  1. das ist doch das gleiche theater wie mit fifa und pro evo... jedem das seine.
    wobei mich 58% ebenso stutzig machen. allerdings eher was den tester anbelangt.
    wird einfach zeit, dass der store endlich wieder online geht! dann kann sich jeder beide demos zum vergleich ziehen.
    ich habe mir zwar schon top spin 4 zugelegt, bin aber ehrlich gesagt mit den 89% auf keinen fall einverstanden! gut, nach einer weile macht die steuerung sinn aber die grafik ist absolut nicht zeitgemäß! die zuschauer sehen aus wie aufblasbare gummipummen, ALLE linenrichter rund um den court sehen geklont gleich aus und was die atmosphäre angeht, macht es keinen unterschied ob ihr n hinterhof-turnier spielt oder bei den french open im finale steht. es ist immer das gleiche... ich würde top spin vier nicht mehr wie 75% geben! andere sportspiele (siehe nhl2011 oder pro evo11) zeigen recht deutlich, dass grafisch weitaus mehr möglich ist als 2k sports uns da vorschiebt..
    ich werde mir auf jeden fall die demo von virtua anschauen.

  2. Komisch bei anderen Zeitschrifen wurde Virtua Tennis 4 hoch gelobt und eher Top Spin fertig gemacht... Naja so können sich die Meinungen unterscheiden. Egal, ich bin sowieso nich son tennis Fan und von dieser Move bzw. Wii Steuerung halte ich sowieso garnix!

  3. karaokefreak! hat geschrieben:Top Spin verhaspelt sich einfach in einer viel zu komplizierten und überbelegten Steuerung. Ich will den Sport nicht studieren, ich will flotte Ballwechsel und eine brauchbare Steuerung ohne den ganzen theoretischen Hick Hack, der einem bei Top Spin 4 keinerlei Vorteile bringt, sondern lediglich zu schwachen Ballwechseln führt, wenn man sich in einer Schlagvariante verschätzt..
    Was ist denn an der Steuerung von TS4 überladen?

  4. Schlechter Test.
    Spiel ist definitiv nicht so schlecht, Top Spin ist zwar klar besser, aber VT4 macht ebenso viel Spaß...
    und von alter Grafikengine zu reden, keine Ahnung. Finde die Grafik gut, und nicht veraltet oder so !

  5. Habe mir das Spiel geholt ohne vorher das Review zu lesen und finde es grandios. Kann ehrlich gesagt auch die im Test angesprochenen Kritikpunkte bezüglich des Gameplays nicht verstehen. Das ist tief wie sonstwas, ob ein Schlag gelingt hängt von vielen, jedesmal anderen, von dir beeinflussbaren Faktoren zusammen. Geht man richtig zum Ball klappen die Stops auch völlig problemlos und das ist auch nicht gerade schwer. Natürlich muss man sich dazu mit der Spielmechanik auseinandersetzen und nicht dauern falsch stehen oder falsch getimed schlagen. Habe Topspin 4 ebenfalls, machte mir auch viel Spaß, aber Virtua Tennis 4 steht da in Sachen Fun und Komplexität ne Stufe drüber.

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