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God of War (Action-Adventure) – Zum Gipfel der Welt

Vor der Veröffentlichung sorgte die Neuausrichtung von God of War auch für skeptische Reaktionen: Dabei ging es um das fehlende freie Springen, die näher positionierte Kamera, das nordische Szenario sowie Kratos als Vater – die modernisierte Perspektive und Dramaturgie kamen nicht bei allen Fans an. Hat Sony Santa Monica fünf Jahre in die falsche Richtung entwickelt? Oder gelingt dem Team um Cory Barlog die Wiedergeburt eines der erfolgreichsten Action-Adventures aller Zeiten? Am
20. April könnt ihr euch selbst ein Bild machen. Wir verraten euch im Test, wie uns der Spartaner im Exil gefällt.

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Familienkonflikt auf zwei Ebenen

Zum anderen interpretiert die Story die nordische Mythologie angenehm kreativ. Man nutzt die Geschichten der Edda nicht einfach als Aufhänger für eine Welt, Namen und Antagonisten, sondern erschafft auf Grundlage der bekannten Überlieferungen eine neue Sicht, so dass man selbst als Kenner der Materie interessiert zuhört. Ähnlich wie beim Artdesign haben sich die Entwickler intensiv mit den Quellen beschäftigt. Dabei geht es vor allem um die Konflikte zwischen Asen und Wanen, Riesen und Göttern – also um die kriegerischen Ursprünge eines etablierten Pantheons, an dessen Spitze eigentlich Odin steht, der Allvater, der ähnlich wie Zeus die größte Macht besitzt.

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Das intuitive, aber gefahrlose Klettern erinnert an Uncharted. © 4P/Screenshot

Wie kam er eigentlich dazu? Genau hier beginnt die kreative Interpretation, die für ein paar Schatten sorgt. Das wird vielleicht nicht alle Anhänger von Odin oder Thor freuen, aber dass man gerade diese beiden populären Stars aus Asgard etwas kritischer betrachtet, und die Rolle des oftmals unterschätzten Tyr etwas anreichert, sorgt für frische Impulse – und entspricht ganz nebenbei einer Theorie in der altnordischen Forschung, die davon ausgeht, dass dieser Kriegs- und Rechtsgott Tyr (Tiwaz), der noch in unserem Dienstag (Tirsdag auf Norwegisch) steckt, lange Zeit der wichtigste germanische Gott war, bis er von Odin (Wodan) verdrängt wurde.

Von Hrungnir bis Freyja

Ich war zudem überrascht, wie viele originale Eddalieder und Sagen integriert wurden, so dass man nebenbei auch noch etwas über diese verlorenen Schätze lernen kann, über Ymir und Hrungnir, Njörd und Freyja. Falls ihr euch dafür interessiert, haben wir eine kleine Einführung in die germanische Mythologie vorbereitet. Noch viel wichtiger: Man spiegelt gleichzeitig den

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Es gibt viele mittelgroße Feinde und Minibosse. © 4P/Screenshot

familiären Konflikt zwischen Kratos und Atreus in diesem nordischen Götterszenario, in dem es ja auch um Macht und Verrat in der Familie geht. Hier nimmt sich Studio Santa Monica zwar große Freiheiten zugunsten der Dramaturgie des Spiels, aber genau so funktioniert Unterhaltung – zumal es keine „richtige“ und „falsche“ Sicht auf die alten Götter gibt, sondern letztlich nur Interpretationen verschiedener akademischer Schulen.

Abseits von heroischem Pathos geht es also auch um emotional Alltägliches, mit dem man sich identifizieren kann. So ergeben sich auf der Reise ganz normale Konflikte, zumal sich Vater und Sohn auch noch mit der Erkenntnis entwickeln. Sprich: Es bleibt nicht bei knallharter Vater befiehlt und demütiger Sohn folgt – auch das Rebellieren wird spürbar, wenn Atreus die Moral des Vaters mit den eigenen Argumenten entblößt. Stopp mal: Ist allen Beteiligten an dieser Stelle noch klar, dass wir über ein fucking Hack’n’Slay reden als wäre es eine Wagner-Oper? Wobei ich God of War übrigens vorziehen würde. Aber was nutzen einem diese beiden Eckpfeiler der Neugier, wenn all das nicht spannend erzählt, sondern wie so häufig in Textfragmenten archiviert oder Audiologs abgespult wird? Okay, Letztere sind – den Göttern sei dank – aufgrund der technologischen Defizite in Midgard nicht dabei. Aber jetzt komme ich zur größten Leistung dieses Spiels: zur Erzählweise.

Kommentare

1227 Kommentare

  1. DerSnake hat geschrieben: 22.03.2021 23:40 [...]
    Witzig. Ich bin gerade dabei, den Titel aus meiner Pile of Shame endlich anzugehen, habe bereits das Licht von Alfheim geholt und befinde mich nun auf dem Rückweg.
    Nicht nur, dass die Architektur und Grafikpracht überwältigend sind. Auch das Kampfsystem setzt auf Varianz, die bei einigen Gegnern auch bitter nötig ist. Dazu noch nette kleine Geschicklichkeits- und Rätseleinlagen, zwar nicht sehr anspruchsvoll, jedoch eine willkommene Abwechslung zu den Kämpfen.
    Im Vergleich zu den arcadigen und trashigen Vorgängern tut diese offene Welt, die Perspektive und reife Erzählweise der Reihe sehr gut. Ein weiteres Trash-/Schlachtfest wäre eher more of the same in besserer Grafik und mithin irgendwie langweilig geworden. Insofern ein richtiger und wichtiger Schritt.
    Ich bin begeistert! Und im Gegensatz zu Jörg mag ich Sammelkram, das weckt die Entdeckerlust in mir.

  2. Hmm ich weiß nicht irgendwie machten mir die alten Teile mehr spaß, Ich werde mit diesen GoW einfach nicht warm und das Kampfsystem finde ich langweilig. Der Anfang war noch gut aber dann fing diese mini Open World an + dieses Crafting System will mir gar nicht gefallen weil ich mir denke das es nur eingebaut wurde weil es heute so viele Spiele haben müssen. Ich will nicht irgendwelche Rüstungen verbessern oder Fähigkeiten. Bzw nicht in diesen Umfang. Dazu kommt das neue KS System was einfach nicht bocken will...zündet bei mir leider nicht :(

  3. TR2013 hat geschrieben: 07.01.2021 22:01 Spiele gerade erstmals GoW. Kenne die Vorgänger nicht. Sollte man sich auf Youtube eine Story Zusammenfassung ansehen oder ist es besser alles nur durch das Spiel zu erfahren? Atreus denkt ja zu Beginn dass wir "niemand" sind. Mehr weiß ich noch nicht.
    Hier hat der Trant von Game Two die Story lustig auf hessisch aufbereitet https://youtu.be/lXR8HSlrb4Y

  4. winkekatze hat geschrieben: 08.01.2021 15:00
    TR2013 hat geschrieben: 07.01.2021 22:01 Spiele gerade erstmals GoW. Kenne die Vorgänger nicht. Sollte man sich auf Youtube eine Story Zusammenfassung ansehen oder ist es besser alles nur durch das Spiel zu erfahren? Atreus denkt ja zu Beginn dass wir "niemand" sind. Mehr weiß ich noch nicht.

    Schaden kann es nicht, aber es ist auch nicht wirklich notwendig. Um die Story zu verstehen wird das Wissen über die Story der Vorgänger nicht wirklich benötigt. Die Geschichte der vorherigen Teile war im Grunde abgeschlossen. Um zu wissen wer Kratos ist und was er in der Vergangenheit erlebt hat, könnte es trotzdem interessant sein, sich eine Zusammenfassung anzuschauen.
    Andererseits ist GoW ein Neuanfang und baut ja bewusst auf Atreus Unwissenheit auf. Die Überraschung ist umso größer wenn man die Vorgänger nicht kennt. Die man übrigens auch wirklich nicht kennen muss für das neue GoW. Würde ich mir nach dem durchspielen in einer Zusammenfasssungen angucken. Aber streng genommen ist die Story eh recht dünn und in ein paar Sätzen komplett erklärt.

  5. TR2013 hat geschrieben: 07.01.2021 22:01 Spiele gerade erstmals GoW. Kenne die Vorgänger nicht. Sollte man sich auf Youtube eine Story Zusammenfassung ansehen oder ist es besser alles nur durch das Spiel zu erfahren? Atreus denkt ja zu Beginn dass wir "niemand" sind. Mehr weiß ich noch nicht.

    Schaden kann es nicht, aber es ist auch nicht wirklich notwendig. Um die Story zu verstehen wird das Wissen über die Story der Vorgänger nicht wirklich benötigt. Die Geschichte der vorherigen Teile war im Grunde abgeschlossen. Um zu wissen wer Kratos ist und was er in der Vergangenheit erlebt hat, könnte es trotzdem interessant sein, sich eine Zusammenfassung anzuschauen.

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