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God of War (Action-Adventure) – Zum Gipfel der Welt

Vor der Veröffentlichung sorgte die Neuausrichtung von God of War auch für skeptische Reaktionen: Dabei ging es um das fehlende freie Springen, die näher positionierte Kamera, das nordische Szenario sowie Kratos als Vater – die modernisierte Perspektive und Dramaturgie kamen nicht bei allen Fans an. Hat Sony Santa Monica fünf Jahre in die falsche Richtung entwickelt? Oder gelingt dem Team um Cory Barlog die Wiedergeburt eines der erfolgreichsten Action-Adventures aller Zeiten? Am
20. April könnt ihr euch selbst ein Bild machen. Wir verraten euch im Test, wie uns der Spartaner im Exil gefällt.

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Dark Souls lässt grüßen

Dass sich Sony Santa Monica bei der Entwicklung eines Kampf-Abenteuers auch von einer der einflussreichsten Spielereihen der letzten Jahre hat inspirieren lassen, ist selbstverständlich. Übrigens auch hinsichtlich der Welt: Häufig findet man hinter einer Ecke verstorbene Ritter, vor denen etwas glitzert. Ganz selten findet man bunte, schnell davon huschende Echsen, die kostbare Beute hinterlassen. Etwas öfter begegnet man wiederum voll gepanzerten Helmträgern mit riesigen Bidenhändern, die sich plötzlich in einer Arena umdrehen und zum Tanz bitten. All das erinnert mal mehr, mal weniger gelungen an Situationen aus der Soulsreihe. Deren epische Monumentalität und knisternde Rätselhaftigkeit erreicht God of War trotz gewisser Ansätze zwar nicht, was auch daran liegt, dass die Erkundung hier viel sicherer ist – man kann nicht an Pässen oder Schluchten abstürzen, wird selten außerhalb der Kämpfe in Gefahr gebracht. Außerdem ist das auch gut so, denn dieses Abenteuer hat eine ganz andere künstlerische DNA, die auf eigene Stärken setzen kann.


 

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Auch wenn es manchmal nicht so scheint, ist dieses God of War noch so brachial und blutig wie der Klassiker! © 4P/Screenshot

Aber dafür profitiert das Kampfsystem von der Annäherung an taktischere Duellsituationen sowie spürbare physische Abwehr. Es kracht richtig beim Schlag auf den Schild. Gerade gegen die Walküren muss man ähnlich wie in Dark Souls konzentriert ausweichen, wegrollen, blocken, kontern und Schwächen ausnutzen, um zu bestehen. Daran, dass diese mächtigen (und überaus cool designten Gegner) rein optional sind, was ich für einen Fehler halte, erkennt man wiederum die Unterschiede zum wesentlich gnadenloseren Vorbild aus Japan. Denn die Bosskämpfe selbst sind zwar auch spektakulär, aber nicht besonders schwer. Sony Santa Monica hat übrigens die traditionellen Reaktionstests in diesen Gefechten gestrichen. Das hat mich überrascht, denn als Stilmittel hätten diese auch hier funktionieren können.

Ein kurzer Rückblick: God of War war ein Hack’n’Slay, bei dem es eigentlich nur zwei Gefechtsmodi gab – Kroppzeug und Bosse. Erstere konnte man mit ganz einfachen Manövern, die aus maximal drei hintereinander gedrückten Knöpfen bestanden, dutzendweise dahinmetzeln. Ja, das ist etwas übertrieben: Es gab zwar auch mal Widerstände, die Minotauren und Zyklopen zwangen zu mehr Aufmerksamkeit, man musste schon hier und da die Waffen wechseln, aber der simple Komboflow regierte das blutige Geschehen, nicht die situative Spannung. Das war damals trotzdem unterhaltsam, aber auf Dauer etwas zu eintönig, deshalb bin ich froh, dass es jetzt wesentlich mehr Abstufungen bei Feinden sowie vielfältigere Gefechte und Manöver gibt, die mir mehr Optionen im Kampf verleihen.

Immer noch ein Hack’n’Slay

Nicht falsch verstehen: Es wird immer noch zerquetscht, zertreten, zerhackt. Und so viel mit Runenmagie gezaubert, dass der ganze Bildschirm brennt. Wer befürchtet hat, dass sich Kratos aufgrund der Familiengeschichte oder seines Sohnes Atreus

 

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Auf in den Kampf! Viele dieser Kreaturen haben klare Schwachpunkte, die es zu nutzen gilt. © 4P/Screenshot

von seinen martialischen Wurzeln entfernen würde, darf also  aufatmen. God of War war im Kern immer ein Hack’n’Slay, bleibt ein Hack’n’Slay und zieht einen trotz des minderjährigen Begleiters oder taktischer Zusätze noch näher ins Gemetzel. Um Realismus geht es nicht, wenn der Kriegsgott austeilt – man fühlt sich eher wie in einem Splatterfilm mit fliegenden Äxten und gespaltenen Schädeln. Vor allem die brutalen Finisher führen die Schonungslosigkeit der Reihe fort, bis man manchmal nur noch Blut und Brocken in der Totalen sieht. Da kommt Dark Souls wiederum nicht mit.

Weil die Kamera wie ein Rabe über der Schulter des Spartaners hockt, entsteht ein Arenagefühl mit hoher Intensität. Das liegt natürlich daran, dass man nicht alles von oben im Blick hat: Man wird ständig umzingelt, es tauchen Feinde von allen Seiten auf. Es sind deutlich weniger als in bisherigen Teilen, man muss sich auch etwas eingehender mit den Schwächen spezieller Feindtypen beschäftigen, aber phasenweise gibt es auch noch das bekannte Buttonmashing. Vor allem wenn man nach der Axt auch eine weitere Waffe freischaltet, die einen eigenen großen Talentbaum hat, gewinnt das Spiel nach so vielen Stunden nochmal einen ähnlichen Motivationsschub wie Prey mit seinem zusätzlichen Fähigkeitenbaum – ich habe mich jedenfalls richtig gefreut, weil nicht nur neue Schlagvarianten, sondern mit dem Feuer auch ein neues Element hinzu kam, das natürlich Gegner aus Eis besser konterte. So sortiert sich God of War letztlich zwischen den komboreichen Vertretern wie Bayonetta und Devil May Cry auf der einen, sowie den taktischeren Abenteuern wie Bloodborne und Nioh auf der anderen Seite ein. Vielleicht ist das ja für viele die goldene Mitte. Zwar gelingt es Sony Santa Monica nicht immer, aber weitgehend das Chaos zu verhindern, so dass ein angenehmer taktischer Flow entsteht.

Kommentare

1227 Kommentare

  1. DerSnake hat geschrieben: 22.03.2021 23:40 [...]
    Witzig. Ich bin gerade dabei, den Titel aus meiner Pile of Shame endlich anzugehen, habe bereits das Licht von Alfheim geholt und befinde mich nun auf dem Rückweg.
    Nicht nur, dass die Architektur und Grafikpracht überwältigend sind. Auch das Kampfsystem setzt auf Varianz, die bei einigen Gegnern auch bitter nötig ist. Dazu noch nette kleine Geschicklichkeits- und Rätseleinlagen, zwar nicht sehr anspruchsvoll, jedoch eine willkommene Abwechslung zu den Kämpfen.
    Im Vergleich zu den arcadigen und trashigen Vorgängern tut diese offene Welt, die Perspektive und reife Erzählweise der Reihe sehr gut. Ein weiteres Trash-/Schlachtfest wäre eher more of the same in besserer Grafik und mithin irgendwie langweilig geworden. Insofern ein richtiger und wichtiger Schritt.
    Ich bin begeistert! Und im Gegensatz zu Jörg mag ich Sammelkram, das weckt die Entdeckerlust in mir.

  2. Hmm ich weiß nicht irgendwie machten mir die alten Teile mehr spaß, Ich werde mit diesen GoW einfach nicht warm und das Kampfsystem finde ich langweilig. Der Anfang war noch gut aber dann fing diese mini Open World an + dieses Crafting System will mir gar nicht gefallen weil ich mir denke das es nur eingebaut wurde weil es heute so viele Spiele haben müssen. Ich will nicht irgendwelche Rüstungen verbessern oder Fähigkeiten. Bzw nicht in diesen Umfang. Dazu kommt das neue KS System was einfach nicht bocken will...zündet bei mir leider nicht :(

  3. TR2013 hat geschrieben: 07.01.2021 22:01 Spiele gerade erstmals GoW. Kenne die Vorgänger nicht. Sollte man sich auf Youtube eine Story Zusammenfassung ansehen oder ist es besser alles nur durch das Spiel zu erfahren? Atreus denkt ja zu Beginn dass wir "niemand" sind. Mehr weiß ich noch nicht.
    Hier hat der Trant von Game Two die Story lustig auf hessisch aufbereitet https://youtu.be/lXR8HSlrb4Y

  4. winkekatze hat geschrieben: 08.01.2021 15:00
    TR2013 hat geschrieben: 07.01.2021 22:01 Spiele gerade erstmals GoW. Kenne die Vorgänger nicht. Sollte man sich auf Youtube eine Story Zusammenfassung ansehen oder ist es besser alles nur durch das Spiel zu erfahren? Atreus denkt ja zu Beginn dass wir "niemand" sind. Mehr weiß ich noch nicht.

    Schaden kann es nicht, aber es ist auch nicht wirklich notwendig. Um die Story zu verstehen wird das Wissen über die Story der Vorgänger nicht wirklich benötigt. Die Geschichte der vorherigen Teile war im Grunde abgeschlossen. Um zu wissen wer Kratos ist und was er in der Vergangenheit erlebt hat, könnte es trotzdem interessant sein, sich eine Zusammenfassung anzuschauen.
    Andererseits ist GoW ein Neuanfang und baut ja bewusst auf Atreus Unwissenheit auf. Die Überraschung ist umso größer wenn man die Vorgänger nicht kennt. Die man übrigens auch wirklich nicht kennen muss für das neue GoW. Würde ich mir nach dem durchspielen in einer Zusammenfasssungen angucken. Aber streng genommen ist die Story eh recht dünn und in ein paar Sätzen komplett erklärt.

  5. TR2013 hat geschrieben: 07.01.2021 22:01 Spiele gerade erstmals GoW. Kenne die Vorgänger nicht. Sollte man sich auf Youtube eine Story Zusammenfassung ansehen oder ist es besser alles nur durch das Spiel zu erfahren? Atreus denkt ja zu Beginn dass wir "niemand" sind. Mehr weiß ich noch nicht.

    Schaden kann es nicht, aber es ist auch nicht wirklich notwendig. Um die Story zu verstehen wird das Wissen über die Story der Vorgänger nicht wirklich benötigt. Die Geschichte der vorherigen Teile war im Grunde abgeschlossen. Um zu wissen wer Kratos ist und was er in der Vergangenheit erlebt hat, könnte es trotzdem interessant sein, sich eine Zusammenfassung anzuschauen.

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