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God of War (Action-Adventure) – Zum Gipfel der Welt

Vor der Veröffentlichung sorgte die Neuausrichtung von God of War auch für skeptische Reaktionen: Dabei ging es um das fehlende freie Springen, die näher positionierte Kamera, das nordische Szenario sowie Kratos als Vater – die modernisierte Perspektive und Dramaturgie kamen nicht bei allen Fans an. Hat Sony Santa Monica fünf Jahre in die falsche Richtung entwickelt? Oder gelingt dem Team um Cory Barlog die Wiedergeburt eines der erfolgreichsten Action-Adventures aller Zeiten? Am
20. April könnt ihr euch selbst ein Bild machen. Wir verraten euch im Test, wie uns der Spartaner im Exil gefällt.

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Mimir ex machina

Noch besser wird es, wenn mit Mimir ein dritter Akteur und Erzähler hinzu kommt – damit ist Sony Santa Monica der für mich entscheidende Kniff gelungen, denn er sorgt genau in dem Moment für Abwechslung, als sich gerade etwas Monotonie einzuschleichen drohte. Die wurde bis dahin nur von den beiden Zwergen Brok und Sindri etwas aufgebrochen, die ebenfalls einen Konflikt austragen und für einige Lacher sorgen; auch sie sind als Charaktere gut entwickelt. Aber Mimir ist das erzählerische Bindeglied zwischen dem Schicksal der Götter und den beiden Gefährten. Er kennt alle Götter nur allzu gut. Vater und Sohn retten diesen neckischen Weisen aus einer misslichen Lage, der ja laut Edda jeden Morgen seinen Met aus einem Quell unter Yggdrasil trank. Daraufhin baumelt er als sprechender Kopf bei Kratos am Gürtel – auch rein spielhistorisch keine schlechte Idee, wenn man an Planescape: Torment und den schwebenden Knochenkopf „Morte“ denkt.


 

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Wehe, wenn Kratos sauer wird… © 4P/Screenshot

Für Atreus geht mit diesem Gesprächspartner natürlich ein Traum in Erfüllung, denn endlich hat er jemanden, der ihm all die mythologischen Fragen beantworten kann. Jedesmal, wenn sie einen der alten Bildsteine mit den Götterzeichnungen finden, kann Atreus das Ganze nicht nur in sein Tagebuch eintragen (sehr schön ist übrigens, dass der Kodex aus seiner Sicht geschrieben wird), sondern bekommt von Mimir die passenden Hintergründe. Wenn sie ein altes Grab entdecken, erzählt Mimir etwas über den König. So entsteht auf der Reise eine unterhaltsame Dreiecks-Beziehung mit tollen Dialogen, bei der der kluge Kopf manchmal sowohl Kratos als auch Atreus kritisch hinterfragt. Und bei jedem der dutzenden Bootsgänge oder Erkundungen in Höhlen gab es über 30 Stunden kein einziges doppeltes Gespräch, keine einzige doppelte Geschichte!

Offene Fragen und deutsche Sprecher


Ich hoffe, ich konnte die erzählerische Besonderheit dieses Action-Adventures herausarbeiten. Man darf ja auch nicht vergessen, dass Triple-A-Produktionen dieser Art nur ganz selten so ein Niveau erreichen, das man in letzter Zeit häufiger bei

 

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Immer wieder stoßen Vater und Sohn auf Hindernisse – auch in ihrer Beziehung. © 4P/Screenshot

reinen Storytelling-Experimenten wie Firewatch oder What Remains of Edith Finch beobachten konnte. Ich sehe God of War in der Art und Weise, wie man einen Sidekick integriert, mindestens auf einer Ebene mit The Last of Us und BioShock Infinite. Noch etwas Kurzes zum Finale: Das kann auch nochmal angenehm überraschen, führt wichtige Fäden zusammen, beantwortet zentrale Fragen, aber eben nicht alle, so dass ich ein wenig enttäuscht war – Sony Santa Monica will da vermutlich einige göttliche Hintertüren für eine Erweiterung offen halten.

Für mich gehören übrigens nicht nur Story und Regie zu den Kandidaten für das Spiel des Jahres, sondern auch die deutsche Lokalisierung: Die Sprecher sind durch die Bank richtig, teilweise außergewöhnlich gut. Wobei ich neben Kratos vor allem Atreus und Mimir hervorheben muss, die ebenfalls als neue Stimmen ausgezeichnet besetzt sind und schauspielerisch überzeugen. Ich habe an keiner Stelle das Gefühl gehabt, dass etwas künstlich oder hastig eingesprochen wurde. Dazu trägt auch bei, dass die Übergänge von Dialogsituationen auf dem See zu einem Strand oder einer Höhle harmonisch eingesprochen sind, so dass es keinen Bruch gibt. Mimir, der gerade eine Geschichte erzählt, sagt z.B. bei der Anlandung, dass er sie dann eben später fortsetzen wird, weil Atreus und Kratos gerade was anderes vorhaben. Das sorgt für ein angenehm natürliches Hörerlebnis. Es hat einfach Spaß gemacht, ihnen zuzuhören. Aber jetzt Schluss mit der Begeisterung für die Story, runter vom Gipfel der Euphorie, rein in die Erkundung, den Kampf, die Charakterentwicklung und die Aufrüstung. Kann God of War auch spielmechanisch abliefern?

Kommentare

1227 Kommentare

  1. DerSnake hat geschrieben: 22.03.2021 23:40 [...]
    Witzig. Ich bin gerade dabei, den Titel aus meiner Pile of Shame endlich anzugehen, habe bereits das Licht von Alfheim geholt und befinde mich nun auf dem Rückweg.
    Nicht nur, dass die Architektur und Grafikpracht überwältigend sind. Auch das Kampfsystem setzt auf Varianz, die bei einigen Gegnern auch bitter nötig ist. Dazu noch nette kleine Geschicklichkeits- und Rätseleinlagen, zwar nicht sehr anspruchsvoll, jedoch eine willkommene Abwechslung zu den Kämpfen.
    Im Vergleich zu den arcadigen und trashigen Vorgängern tut diese offene Welt, die Perspektive und reife Erzählweise der Reihe sehr gut. Ein weiteres Trash-/Schlachtfest wäre eher more of the same in besserer Grafik und mithin irgendwie langweilig geworden. Insofern ein richtiger und wichtiger Schritt.
    Ich bin begeistert! Und im Gegensatz zu Jörg mag ich Sammelkram, das weckt die Entdeckerlust in mir.

  2. Hmm ich weiß nicht irgendwie machten mir die alten Teile mehr spaß, Ich werde mit diesen GoW einfach nicht warm und das Kampfsystem finde ich langweilig. Der Anfang war noch gut aber dann fing diese mini Open World an + dieses Crafting System will mir gar nicht gefallen weil ich mir denke das es nur eingebaut wurde weil es heute so viele Spiele haben müssen. Ich will nicht irgendwelche Rüstungen verbessern oder Fähigkeiten. Bzw nicht in diesen Umfang. Dazu kommt das neue KS System was einfach nicht bocken will...zündet bei mir leider nicht :(

  3. TR2013 hat geschrieben: 07.01.2021 22:01 Spiele gerade erstmals GoW. Kenne die Vorgänger nicht. Sollte man sich auf Youtube eine Story Zusammenfassung ansehen oder ist es besser alles nur durch das Spiel zu erfahren? Atreus denkt ja zu Beginn dass wir "niemand" sind. Mehr weiß ich noch nicht.
    Hier hat der Trant von Game Two die Story lustig auf hessisch aufbereitet

  4. winkekatze hat geschrieben: 08.01.2021 15:00
    TR2013 hat geschrieben: 07.01.2021 22:01 Spiele gerade erstmals GoW. Kenne die Vorgänger nicht. Sollte man sich auf Youtube eine Story Zusammenfassung ansehen oder ist es besser alles nur durch das Spiel zu erfahren? Atreus denkt ja zu Beginn dass wir "niemand" sind. Mehr weiß ich noch nicht.

    Schaden kann es nicht, aber es ist auch nicht wirklich notwendig. Um die Story zu verstehen wird das Wissen über die Story der Vorgänger nicht wirklich benötigt. Die Geschichte der vorherigen Teile war im Grunde abgeschlossen. Um zu wissen wer Kratos ist und was er in der Vergangenheit erlebt hat, könnte es trotzdem interessant sein, sich eine Zusammenfassung anzuschauen.
    Andererseits ist GoW ein Neuanfang und baut ja bewusst auf Atreus Unwissenheit auf. Die Überraschung ist umso größer wenn man die Vorgänger nicht kennt. Die man übrigens auch wirklich nicht kennen muss für das neue GoW. Würde ich mir nach dem durchspielen in einer Zusammenfasssungen angucken. Aber streng genommen ist die Story eh recht dünn und in ein paar Sätzen komplett erklärt.

  5. TR2013 hat geschrieben: 07.01.2021 22:01 Spiele gerade erstmals GoW. Kenne die Vorgänger nicht. Sollte man sich auf Youtube eine Story Zusammenfassung ansehen oder ist es besser alles nur durch das Spiel zu erfahren? Atreus denkt ja zu Beginn dass wir "niemand" sind. Mehr weiß ich noch nicht.

    Schaden kann es nicht, aber es ist auch nicht wirklich notwendig. Um die Story zu verstehen wird das Wissen über die Story der Vorgänger nicht wirklich benötigt. Die Geschichte der vorherigen Teile war im Grunde abgeschlossen. Um zu wissen wer Kratos ist und was er in der Vergangenheit erlebt hat, könnte es trotzdem interessant sein, sich eine Zusammenfassung anzuschauen.

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